Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

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noch einmal das Wort ausgeschrieben hinsetzte. Den Schluss
bildete dann die links davon zugefügte Zeile. Demnach darf
vielleicht folgende Lesung vorgeschlagen werden: f o(bitus) re-
(quiescat) i(n) (p(ace)y pace dei q(ui) ama(t).

Es hat also ein frommer Mönch zu der heidnischen Grab-
schrift unter Voranstellung und Wiederholung des Kreuzes den
Wunsch hinzugefügt^ dass auch diesen Verstorbenen doch der
liebreiche Gott in seinem Frieden ruhen lasse.

Die folgenden unter n. 4—9 abgedruckten, bisher unbe-
kannten römischen Inschriften werden alle den Mittheilungen des
Gonservators und Secretärs des Kärntnerischen Geschichtsvereines,
Baron Hauser in Klagenfurt, verdankt.

4. ö) Am 6. Mai 1888 fand der Gradischnigbauer Valentin
Urabl, wie der Schulleiter Philipp Edlinger zu Ottmanach an
den Kärntnerischen Geschichtsverein berichtet, auf dem Helena-
berge bei Ottmanach, an dem Lugbüchel, beiläufig an der links-
seitigen Mitte der Gräberstraße, wo 1867 die Ausgrabungen nicht
weiter fortgesetzt wurden, außer drei unbeschriebenen Steinplatten,
von denen die beiden größeren beiläufig eine Länge von 1 m und
eine Breite von etwa 3/4 m hatten, und einer Aschenurne mit
Aschenresten und halbverbrannten Menschenknochen, die beiden
unten angegebenen Inschriftplatten, die er zur Gradischnig-
behausung brachte. Herr Edlinger hat in seinem Bericht die
von ihm genommenen sorgfältigen Abschriften zugefügt; uns
standen außerdem treffliche vom Vereinsdiener Kaiser genommene
Abklatsche zur Verfügung. Ein kurzer Bericht über den Fund,
aber ohne Angabe der Inschriften, steht im Jahrgang 1888 der
Mitth. der Central-Commission S. 195 n. 130.

4) L. 71 cm, br. 58*5 cm; die sorgfältig eingehauene und gut
erhaltene Inschrift ist mit einer einfachen Einfassung versehen.

POSTVMIAE

P-L-BOVNI
C-SEMPRONIvS
C-L-RECEPTVS
SIBI-ET-SVlS-V-F

Postumiae P(ubli) l(ibertae) Bouni C. Sempronius G(ai)
l(ibertus) JRecejotus sibi et suis v(ivus) f(ecit).

5) Unmittelbar neben n. 4 gefunden, 1. 78 cm, br. 61 cm,
ohne Einfassung. Die Inschrift ist weniger sorgfältig ausgeführt
und namentlich in Z. 1 und 2 stark beschädigt.

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