Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

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Städten der achaeischen Liga, nicht begegnet; und doch müsste
man derlei für die Inschriften der Provinz Achaia um so eher
erwarten, wenn sie wirklich seit Anbeginn bis 27 v. Chr. einen
integrierenden Bestandtheil der Provinz Makedonien gebildet hat.
Das ideelle Anfangsdatum der in den Städten des achaeischen
Bundes üblichen Ära, die der älteren makedonischen Jahrrechnung
am nächsten kommt, muss frühestens Herbst 147 v. Chr. oder
wahrscheinlicher Herbst 146 begonnen haben ; das zur Entscheidung
dieser Frage vorliegende Material (theilweise von Marquardt
Stvw. I2, 328 f. und dem die Sache richtiger beurtheilenden Foucart
zu Lebas 2, n. 116 a zusammengestellt) reicht noch immer nicht aus.

Wien, 1. October 1889. J. WILH. KUBITSCHEK

Nachtrag zu Seite 122 Anm. 6. Meine Versuche, eine
ältere Fundnotiz über C. Gr. 8621 als die des Pallas zu gewinnen
oder Näheres über das Schicksal und. den Verbleib der Cousinery-
schen Aufzeichnungen zu erfahren, ist mir nicht gelungen. Herr
Latyschew, der verdiente Herausgeber der bosporanischen In-
schriften, hat die Güte gehabt, mir außer einer sorgfältigen Copie
des von ihm 1883 (au musee du convent de S. Wladimir pres
de Sebastopol) verglichenen Originals den Inhalt einer mir leider
unzugänglichen Abhandlung des russischen Gelehrten Jurgiewicz,
jetzt Vicepräsidenten der societe d'histoire et des antiquites in
Odessa, mitzutheilen, der in den Memoiren dieser Gesellschaft
Bd. 14 (1886) S. 779 ff. aus inneren und äußeren Gründen die
Zugehörigkeit dieser Inschrift zu den Resten von Chersonesos
bestritten habe. Insbesondere betone er cque au V siecle apres
J. Chr. Chersonesos ne dependait pas entierement des empereurs
Byzantins et que par suite il est bien etrange de voir le KÖunc;
Diogenes en tete de cette ville.J Herr Latyschew billigt seine
Ausführungen und fügt hinzu: Tecriture meme de notre inscription
ne ressemble point a cette des inscriptions Byzantines de Cher-
sonesos, dont j'ai vu plusieurs/ — Herr Dr. H. Mordtmann, jetzt
Consul des Deutschen Reiches in Salonichi, hat sich gleichfalls
mit den Geschicken jener Inschrift eingehend beschäftigt, und
machte mich unter anderem in dankenswerther Weise darauf auf-
merksam, dass die Cousinerysche Ortsnotiz schon deshalb anzu-
zweifeln sei, weil die Moschee Eski Djuma keine Souterrains
besitze. — An den makedonischen Ursprung aber kann ich nicht
glauben, da sich die Datierung (GTOYC • <t>IB ! 6NINASIA) mit
keiner der beiden makedonischen in Einklang bringen lässt. K.
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