Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

Seite: 129
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Studien zur Geschichte der Donauprovinzen

i.

Die Grenzen von Moesia superior und der illyrische

Grenzzoll.

Wohl in wenigen Gebieten des römischen Weltreiches hat der
Forschungsreisende noch in unserer Zeit mit solchen Schwierigkeiten
zu kämpfen, wie im Nordwesten der Balkanhalbinsel, wo die rauhen
Sitten der Bewohner und die Unsicherheit der politischen Verhältnisse
in gleicher Weise der gelehrten Neugierde hemmend in den Weg
treten. Dem Zwang dieser äußeren Umstände, nicht dem Mangel an
wissenschaftlichem Eifer der Gelehrten ist es zuzuschreiben, wenn die
archäologische Fundkarte der Provinz Moesia superior bis in das letzte
Jahrzehnt weite Strecken unerforschten Landes aufzuweisen hatte, in
welchen die wenigen von eiligen Reisenden flüchtig aufgenommenen
Denkmäler die Lücken unserer Kenntnis um so empfindlicher hervor-
treten Hessen. Wenn es auch bisher nicht ganz gelungen ist, diese
Lücken zu füllen, so beginnt sich doch Dank der Bemühung ein-
heimischer Gelehrter in Serbien1) und der verdienstvollen Reisen des
Engländers Evans2) das Dunkel allmählich zu erhellen, welches über
den Resten römischer Cultur in jenen Ländern ruht3).

Obwohl die Ergebnisse dieser Forschungen in dem Supplementum
lateinischer Inschriften ihren Platz finden werden, so schien es mir
doch nothwendig, einen eingewurzelten Irrthum über den Lauf der
Grenzen von Moesia superior schon jetzt in einer besonderen Unter-
suchung zu berichtigen. Sie wird zugleich Raum gewähren, die eng
damit zusammenhängende Frage nach dem Umfang und der Verwaltung
des illyrischen Zollgebietes zu erörtern.

Die Westgrenze von Moesia superior bestimmt Ptolemaeus folgender-
maßen, 3, 9, 1: CH dvw Muoia Trepiopi£eTai dtTiö uev öucreuuc; AaXucma

*) Die Belgrader archäologische Gesellschaft, deren Präsident Herr Valtrovic
ist, veröffentlicht seit mehreren Jahren die römischen Denkmäler Serbiens in ihrer
Zeitschrift: Starinar, bis jetzt 6 Bände (1884—1889).

2) Evans hat die Ergebnisse seiner Reisen bekannt gemacht in der Archaeologia,
Band XLIX, 1.

3) Durch die freigebige Unterstützung der Berliner Akademie war ich in
Stand gesetzt, auf wiederholten Reisen die meisten der neuentdeckten Inschriften
selbst zu prüfen, wie auch noch unerforschtes Gebiet zum erstenmal zu betreten.

Archäologisch-epigraphische Mittheil. XIII 9
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