Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

Seite: 131
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Orosius I, 2, 59: Dalmatia habet ab Oriente Macedoniam, ab aquilone
Dardaniam, a septentrione Moesiam, ab occidente Histriam et sinum
Liburnicum et insulas Liburnicas, a meridie Hadriaticum sinum.

Plinius n. h. 3, 150: lllyricilatitudo, qua maxima est, CCCXXV
m. p. colligit, longitudo a flumine Arsia ad ßumen Drinium DXXX
m. p., a Drinio ad promunturium Acroceraunium CLXXV m. Agrippa
prodidit.

Durch die falsche Vorstellung der Alten über die Lage des
adriatischen Meeres, welches sie in der Richtung von Osten nach
Westen in den Continent eindringen Hessen7), ist das adriatische Meer
zur Südgrenze von Illyricum geworden. Dadurch sind sämmtliche
Grenzbestimmungen um neunzig Grad verschoben. Die Drina (dimens.)
ist von Süden nach Osten, die Dardania (Oros.) von Südosten nach
Nordosten, Moesia (Oros.) von Osten nach Norden gerückt. Erkennt
man dies, so befinden sich diese Angaben, welche von Agrippas Karte
abgelesen8) sein werden, in völliger Ubereinstimmung mit Ptolemaeus.
Wahrscheinlich dehnte auch Agrippa die Breite Illyricums über die
bosnische Drina aus, bis an die Savemündung, da seine Entfernung
von CCCXXV m. p. der größten Breite vom Arsiaflusse bis an die
Savemündung annähernd gleichkommt9), und auch er liess die Dardani
im Südosten an die Dalmatiner grenzen10).

Bietet demnach die Uberlieferung keinen Grund, die Grenz-
bestimmung des Ptolemaeus zu verwerfen, so haben jetzt überdies die
Inschriften die Richtigkeit seiner Angaben zwingend dargethan11).
Zunächst steht es außer Zweifel, dass Westserbien noch zu Dalmatia
gehörte. Der Hauptstrom Serbiens, die Morava, wird von zwei Quell-
flüssen gebildet, deren westlicher, die serbische Morava (Srbsha Morava),

7) Vgl. Partsch: Die Darstellung Europas in dem geographischen Werke des
Agrippa, S. 61.

8) Denn dass diese Angaben von einer Karte abgelesen sind und nicht aus
einer schriftlichen Darstellung geschöpft, scheint mir die ganz verschiedene Be-
zeichnungsweise der Dimensuratio und des Orosius zu beweisen, die nur der Sache
nach auf dasselbe hinauskommt.

9) Die Luftlinie vom Flusse Arsia bis nach Taurunum beträgt rund 330 m. p.
Danach hat Agrippa allerdings nicht gemessen, sondern wohl nach Tagreisen. Denn
vermessene Straßen haben für die ganze Ausdehnung der Provinz zu seiner Zeit
gewiss noch nicht bestanden. Vgl. auch Partsch a. a. 0. S. 63.

10) Auch Ptolemaeus setzt, wie wir später sehen werden, die Dardania süd-
östlich von Illyricum. Es ist hier deutlich, dass auf die Abgrenzung der Provinzen
die Stammesverschiedenheit der Bewohner eingewirkt hat.

11) Soweit nicht das Gegentheil bemerkt ist, habe ich die Inschriften aus
Moesia superior selbst gesehen.

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