Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

Seite: 132
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sich unterhalb Kruzevac in die von Süden nach Norden, strömende
bulgarische Morava (Bugar Morava) ergiesst. Am Oberlauf der
serbischen Morava, in Jezdina bei Cacak befindet sich eine Inschrift
(== C. I. L. III 6321), welche nach der berichtigten Lesung lautet:
I(ovi) o(ptimo) m(aximo) et Genio loci sacro dicavit L. Iul(ius) Mater-
nus 7 coh(ortis) VIII vol(untariorum) laterano et Puf(ino) co(n)s(ulibus)
p. Chr. 197. Da die zahlreichen Inschriften dieser Cohorte alle in
Dalmatien gefunden worden sind12), so sind wir berechtigt zu schliessen,
Dalmatien habe sich östlich über die Drina bis in die Gegend von
Cacak erstreckt. Dieser Schluss gewinnt an Sicherheit durch die
Grabsteine der Decurionen des municipium Mal. . . ., dessen Lage bei
Pozega westlich von Cacak dieselben Grabsteine bestimmen13). Denn
drei dieser Inschriften nennen als den Ort, wo die Decurionen starben,
Sahna, d. h. die Hauptstadt Dalmatiens14). Noch weiter westlich bei
Uzice erweist ein Altar das Dasein einer zweiten römischen Stadt15):
L(aribus) p(ublicis) Cap.... T. Aur(elius) Provincialis ob honore[m]
II viratus v. s. I. m. Eben dort fand ich eine zweite Inschrift des
Inhalts: I(ovi) o(ptimo) m(aximo) Partino C. Iul(ius) Rufus trib(unus)
coh(ortis) I mil(iariae) Delm(atarum) pro sal(ute) ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! i
l(ibens) p(osuit)lß). Der Kaiser, dessen Namen getilgt ist, wird, nach
den Buchstabenformen zu schliessen, nicht vor dem Ende des zweiten
Jahrhunderts regiert haben. In dieser Zeit werden die Truppen ohne
Rücksicht auf ihre ursprünglichen Aushebungsbezirke aus ihren Stand-
quartieren ergänzt17), so dass die Weihung an den Gott der dalmatinischen

12) C. I. L. III index p. 1154.

13) a) Visibaba bei Pozega: T. Ael(io) Martiali dec(urioni) m(unicipii) II vir(o)
defunc(toj Sahna an(norum) XL Aur(elia) Varra conivgi p. p. — b) Yranjani bei
Pozega: T. [Aujr(elivs) Mafrjcus d[ec(vrio)] m(unicipii) def(imctiis) Salona. — c) Pozega
vor der Kirche: .... d[e]c(urio) m(unicipii) . . . d[ef(unctus)J Saflona] . . es folgen
als Dedicanten eine Aelia und ein Aurelius. Den Namen des Municipiums gibt ein
Grabstein vor der Kirche von Karan bei Pozega: P. Ael(ivs) Maximus de(curio)
m(unicipii) Mal____vgl. auch C. I. L. III n. 1672 und p. 1023 add.

14) Es scheint, dass wir in diesen Grabsteinen Cenotaphien zu erkennen haben.
Vielleicht dass die Grubenbesitzer dieses Bergwerkdistrictes Gemeindeämter in dem
Municipium bekleideten, jedoch vorzogen in Salona zu leben, wo sie auch ihre Tage
beschlossen.

,6) Eine dritte Ansiedlung muss bei Kremna, westlich von Uzice ange-
nommen werden; hier sah ich in der Nähe einer alten Schanze gegen 20 völlig
erloschene römische Grabsteine im Felde liegen. Vgl. Studniczka, arch. - epigr.
Mitth. X S. 214.

16) Diese Inschrift zeigt, dass auf dem von mir vergebens gesuchten Steine
C. I. L. III 6320, wahrscheinlich zu lesen ist: dec(urio) eq(uüum) cohor(üs) 1 Del-
(matarum) statt der überlieferten FI SIL (= T • DEL).

17) Vgl. Mommsen im Hermes XIX S. 21.
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