Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

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Beobachtung, dass die Stationen des vectigal Illyrici an den Provincial-
grenzen lagen, ohne dass damit schon entschieden wäre, ob die Grenze
östlich oder westlich von Gruberevce lief25).

Bevor ich die Untersuchung über die Westgrenze von Moesia
superior weiterführen kann, ist es nöthig, die meines Erachtens bisher
noch nicht richtig behandelte Frage über die Organisation dieses Grenz-
zolls wieder aufzunehmen26). Vor allem ist verkannt worden, dass
unter Marcus oder Commodus an Stelle der Verpachtung die
directe Erhebung durch kaiserliche Beamte getreten ist. Dies beweist
die Zeitfolge der Inschriften beider Arten der Zollverwaltung auf das
Zwingendste. Die letzte Erwähnung der Verpachtung fällt unter das
Doppelkaiserthum des Marcus und Verus, die erste der kaiserlichen
Verwaltung unter Commodus27). Mit der Änderung der Verwaltung
ändert sich auch der Name des Zolles. Der verpachtete heißt publicum
portorii Illyrici et ripae Thraciae, der von kaiserlichen Beamten
direct eingehobene publicum portorii vectigalis Illyrici29'). Deshalb
ist es auch kein Zufall, dass die Inschriften der Beamten beider Zoll-

2B) Entscheidend wäre die Inschrift C. I. L. III 6302 aus Stojnik: I(ovi) o(ptimo)
m(aximo) Cn. Clodius Cn. fil(ius) Olassicianus trib(unus) coh(ortis) XIIX (so der Stein)
vol(untariorum) c(ivium) R(omanorum) et translat(us) ab optimis maximisq(ue) imp(era-
toribus) in coh(ortem) I Ulp(ia?n) Pan(nonioru?n miliariam) eq(uitatam), wenn wir das
Standquartier der cohors XVIII vol. kennen würden. Die cohors I Ulp. Pann. stand,
soweit wir sehen können, immer in Pannonia superior (C. I. L. III Index p. 1152).
Die Cohors XVIII vol. hingegen, welche um die Mitte des zweiten Jahrhunderts
n. Chr. im Heere von Pannonia superior genannt wird (vgl. a. a. 0. p. 1154), muss,
wie diese Inschrift zeigt, ihr Standquartier geändert haben.

26) Zuletzt hat Cagnat darüber gehandelt: Etüde Jristorique sur les impots
indirects chez les Romains, Paris (1882) p. 20—46 und p. 91 f.

27) C. I. L. III 751. 752 (hier nach meiner Copie): numini Augustor(um) —
p. Chr. 161/68 — et genio p(ublici) p(ortorii) Hermes luliorum Ianuari, Capitonis1
Epaphroditi conductorum p(ublici) p(ortorii) Illyrici et ripae Thraciae ser(vus) vil(icus)
posuit und Io(vi) o(ptimo) m(aximo) et num(ini) Aug(usti) n(ostri) et p(ubl.ici) p(ortorii)
proc(uratore) Avianio Bellico Maceio Caes(aris) n(ostri) sero(us) vilicus vectigal(is) Illyrici
idib(us) Sepl(embribus) Mamerti(no) et Rufo cos. p. Chr. 182. Die Steine sind nicht
in Lazine gefunden, sondern in Nicopolis an der Donau, Kanitz Donaubulgarien II
p. 195. Auch stehen sie auf zwei verschiedenen Altären. Die gleiche Zeitfolge
ergibt sich aus C. I. L. III 1568 (vgl. Anm. 42) und arch.-epigr. Mitth. III p. 41
n. 2 (vgl. Anm. 38).

28) Den genauen Namen des Grenzzolles geben die Inschriften C. I. L. III
751. 752 (vgl. Anm. 27). Dementsprechend wird in der sehr zerstörten Inschrift
C. I. L. V n. 1864 zu lesen sein: Respectus [e]t Kall [ist] r[atusf] p(ublici) p(ortorii)
vectiga(lis) Illyr(ici) ser(vi) vil(ici). Die Reste, welche Mommsen nach Respectus las
T K // L I /_X R / /1 P j führen auf einen griechischen Namen, d. h. auf einen Sclaven-
namen und zwei servi vilici in derselben statio finden sich mehrfach (vgl. Anm. 38.

55 und 75). Die Ergänzung Mommsen's: Respectus T. Kai..... c(onductoris) ist mit

der Erwähnung des vectigal Illyrici nicht zu vereinigen.
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