Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

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Die Fehler in den Ortsbestimmungen des Ptolemaeus sind dadurch
entstanden, dass er den Wert seiner astronomischen Bestimmungen
überschätzend, die Angaben seiner Itinerarien an diese beiden Fixpunkte
anlehnte. Wie er dabei verfahren, lässt sich noch erkennen und dadurch
sind wir auch im Stande seine Fehler mit Sicherheit zu verbessern.

Auf Ratiaria ist nicht nur das Donauitinerar Singidunum-
Ratiaria bezogen, sondern auch die beiden von Viminacium und Ratiaria
nach Naissus führenden Straßen. An Naissus ist dann weiter die
Straße Naissus-Lissum angelehnt92). Innerhalb dieses Netzes herrscht
relative Richtigkeit, auch die Abweichung der Straßenzüge von den
Hauptrichtungen Nord-Süd, Ost-West sind im Ganzen und Grossen
richtig beurtheilt und in Rechnung gebracht. Das Itinerar der Dar-
danischen Straße: Scupi-Ulpiana -Vellanis ist dagegen auf Scupi als
Fixpunkt bezogen93). Ptolemaeus muss hier verkannt haben, dass sein
Vellanis identisch ist mit dem Orte, welchen die Peut. Karte Viciano,
der Rav. Beclano nennen, und an welchem vielmehr, wie noch zu
zeigen sein wird, die Straße nach Scupi von der Straße Naissus-
Lissum abzweigt. Dieser Irrthum beruht auf der noch erkennbaren
Ursache, dass Ptolemaeus kein Itinerar besass für die Straße Naissus-
Scupif also außer Stande war, seine beiden Fixpunkte Scupi, Ratiaria
direct über Naissus in Beziehung zu setzen. Denn es ist kein Zufall,
dass die Peut. Karte für die Straße Scupi-Hammeo keine Meilenzahl
gibt. Die Militärstraße, welche von Viminacium über Naissus in die
Dardania führte, schlug nicht die Richtung der modernen über Les-
kovac, Vranja ein, sondern ist vielmehr von Naissus ab identisch mit
der Straße Naissus-Lissum, von welcher die Seitenstraße in die Dar-
dania bei Veclanum abzweigt. Dies zeigt ein Meilenstein, der nördlich

90) Die meisten Codices haben te'e'; ACFNPRS *eV; E es'd'; X fehlt. Die
Rechnung fordert für den längsten Tag in der Breite 42° 30' jedoch 15 h Ilm l1^ s

91) Die Codices alle i/jtatd1' (— 45 m) nur E yo' rj'; X fehlt. Da Ptolemaeus in
3, 9, 4 die Länge 48 ° 30' gibt, so fordert die Rechnung l'JV oder yo' i' l' (— 48 m).
E hat die Spur des Richtigen erhalten, trotz der Verderbnis; denn tj' ist unmöglich
im Sexagimalsystem, das als Nenner des Bruches eine Zahl fordert, durch welche
60 theilbar ist. Aber rj' wird entstanden sein aus dem Richtigen i'V. — Bei diesen
Berechnungen habe ich mich des Beirathes meines Freundes Zangemeister zu
erfreuen gehabt.

92) Allerdings ist durchaus nöthig, die Länge, welche X allein für Vindenis
gibt p'er' (=46°) in den Text zu setzen. Wer der schlechteren Überlieferung folgt,
versperrt sich selbst den Weg zum Verständnis.

93) Dass diese Orte einem Itinerar angehören, erkennt man an dem allen
dreien gemeinsamen und gleichartigen Fehler in der Längenbestimmung.

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