Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

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Nymphis [s]alutarib[us] . Cafssjifujs Gfe... pojntifex [cum]...
coiug[e et] Lucio [et] [G]e . i .filiis. . .

Wenn auch eine Herstellung des Wortlautes im Einzelnen nicht
zu gewinnen ist, so erscheint doch die Ergänzung pontifex gesichert,
und es ist klar, dass in der Nähe eine römische Stadt gelegen haben
muss. Nach den Maßen der Peut. Karte war dies Vindenis, das etwa
bei Podujevo anzusetzen sein wird. Dann muss aber Veclanum im
Amselfelde nördlich von Scupi gelegen haben, Ptolemaeus hat demnach
seinen Ort OueAXavtc; in das richtige Verhältnis zu Scupi gesetzt.
Offenbar ist damit die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass Ulpiana, wie
Ptolemaeus will, zwischen Scupi und Veclanum anzusetzen ist. Dieser
Lage entspricht nun vollkommen, was Jornandes über den Zug der
Gothen von Naissus in das Innere von Illyricum berichtet.

C. 56: Naissum primam urbem invadit Illyrici filioque suo
Theodorico — per castro Herculis transmisit Ulpiana . qui venientes
tarn eam quam Stobis100) mox in deditionem accipiunt nonullaque loca
Illyrici inaccesibilia sibi primum tunc pervia faciunt.

Wenn die Gothen von Naissus aus Stobi erreichen wollten, so
mussten sie entweder die Straße Serdica (Sophia), Pautalia (Koestendil),
Stobi einschlagen, oder die Militärstraße, welche über Veclanum in
die Dardania führte und von da südwärts über Scupi nach Stobi
marschieren. Auf der ersten Straße wären sie wohl nach Thracien, aber
nie nach Illyricum gekommen, so dass Ulpiana östlich von Naissus gar
nicht gesucht werden kann. Vielmehr müssen die Gothen von Naissus
nothwendig nach Westen gezogen sein101). Die Orte, welche auf der
zweiten Straße zwischen Naissus und Stobi liegen, sind uns alle bekannt,
bis auf die Strecke Veclanum-Scupi] also nur hier im Amselfelde kann
Ulpiana gesucht werden, d. h. Ptolemaeus muss Ulpiana in das richtige
Verhältnis zu Scupi gesetzt haben.

Die eigentliche Fundstelle römischer Denkmäler im Amselfelde
liegt in der Nähe des Dorfes Lipljan102); demnach wird Tomascheks

10°) Ich habe die Überlieferung der Handschriften nicht ändern wollen; aber
die Vermuthung liegt nahe, dass Scupis zu lesen ist. Sollte dies richtig sein, so
würde sich die folgende Auseinandersetzung sehr vereinfachen.

101) Gewiss hat man deshalb mit Recht in dem castro Herculis des Jornandes
die statio ad Herculem der Peut. Tafel wiedererkannt.

102) Evans Archaeologia XLIX, 1 p. 59 Äbout a tliird of a mite to the North-
East of the church [von Lipljan] is a Icnoll covered with ancient elms, from which
quantities of Roman Nocks, including three containing inscriptions liad been recently
excavated. According to the engineer, who informed me of this fact, the inscriptions had
been sent to Constantinopel. [fj. Near this spot is a mill entirely composed of the same
blocks. The knoll is known as Gradina and was evidently a pari of the Roman city.
The clumps of Vrees, which Covers it — the Lipljanski Dubovi, as they are called, is a
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