Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

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Vermuthung, dass Lipljan nichts anderes ist als die slavische Umlautung
des Namens Ulpiana als richtig angesehen werden müssen103). Wenn
wir weiter über Ulpiana erfahren, dass es ein Hauptort der Dardania
gewesen lo4), so bestätigt dies nur die Ortsbestimmung. Denn da die
Dardania im Südosten an Dalmatien grenzte, so ist es durchaus wahr-
scheinlich, dass sie nicht nur die Ebene von Scupi, sondern auch das
Amselfeld umfasste.

Nach Ptolemaeus liegt Naissus, nicht aber OveWavic, und Ouevöevic;
in der Dardania. Eine Bestätigung dieser Angabe, die zu bezweifeln wir
gar keinen Grund haben105), gibt die Peut. Karte, indem sie zwischen
Naissus und Vindenis eine Grenze setzt, die demnach die Grenze der
Dardania gewesen sein wird106).

Eigentümlicher Weise nimmt die Straße, welche den Hafenplatz
Lissum am adriatischen Meere mit Naissus im oberen Moravathale ver-
bindet, gar keine Rücksicht auf die Städte der Dardania. Es erklärt
sich dies aus der späten Entstehung dieser Städte. Ulpiana ist wahr-
scheinlich eine Gründung Traians, wie der Name andeutet, und auch
Scupi ist erst unter den Flaviern als Colonie deduciert worden107).
Die Straße Lissum-Naissus ist also gebaut vor Gründung dieser Städte,
wahrscheinlich in der Zeit als Augustus das moesische Militärcommando
errichtete. Als dann jene Städte der Dardania entstanden, hat man
die Abzweigung Ulpiana- Scupi gebaut, die daher nothwendig ihre Meilen
von Viminacium zählt.

Die nächste Station auf der Straße Naissus-Lissum westlich von
Veclanum heißt auf der Peut. Karte Theranda; sie muss bereits auf
dalmatinischem Boden gelegen haben und es ist wahrscheinlich, dass sie

landmark tkrougkout tke wkole length of tke Kossovo Polje [— Amselfeld], and is visible
from Mitrovica at the far end of it. The Roman town appears te kave extended some
distance to the West of this spot, and to have covered the low hilly spur below wkick
lies the village of Gustarica. According to the peasants, the whole of this kill is underlain
with foundations of kouses, wkile the fields are strewn witk brocken tiles and pottery-

103) Tomaschek: Zeitschr. f. österr. Gymn. (1874) S. 661.

104) Hierocles 656; Procop de aed. 4, 1 p. 266; Bell. Goth. 4, 25. Schol. zu
Ptolemaeus 3, 9, 4.

106) Müller zu Ptolemaeus 8, 9, 4 glaubt, dass Ptolemaeus Naissus nur deshalb
in die Dardania setzt, weil er durch seine falsche Ortsbestimmung' östlich von Scupi
gerathen ist. Aber nach solchen Gesichtspunkten hat Ptolemaeus die Zutheilung
der Orte an die einzelnen Landschaften kaum bestimmt. Er besaß gewiss noch
andere Hilfsmittel.

106) Dass hier die Provinzialgrenze der Dacia mediterranea und der Dardania
gemeint ist, widerlegt sich durch die Eutstehungszeit der Peuting. Karte.

107) Scupi gehört zu dem Flavischen Tribus Quirina. Vgl. Kubitschek imp.
Rom. trib. descriptum p. 238 und Mommsen Eph. ep. III p. 234. Die Deduction als
Militärcolonie beweisen die Inschriften bei Evans a. a. 0. p. 112 n. 51 u. 113 n. 52.
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