Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

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AuKO|ur|öouc OuYaxepa Amöaueiav.5 — Ilias parva, Scliol. II. XIX. 326
(IV p. 222 Dind., Sch. Townl. II p. 304 Maass, Kinkel Ep. gr. Fragm.
p. 40. 4) TTnXdbrrv ö3 AxiXfja qpepe XKÖpovöe 6ueXXa, || ev0' ö Y £c
dpyaXeov Xiuev' iketo vuktöc eKeh/nc/

Kypria und kleine Ilias berichteten demnach jedesfalls überein-
stimmend, dass Achill nach dem mysischen Feldzuge auf der Rückfahrt
vom Sturm verschlagen nach der Insel gekommen war und sich dort
mit Deidameia verbunden hatte. Wollte man nun doch die Sage von
der Abholung Achills vor dem troischen Krieg von Skyros dem alten
Epos vindicieren — theils aus Rathlosigkeit die Entstehung der Sage
anders zu motivieren, theils wegen der im principiellen Gegensatz zu
Welcker auf die alte Dichtung bezogenen Schlussworte des Ilias-
scholions 1. c. cf| iaxopia Ttapa toic kukXikoic' — so blieb nur übrig, ein
anderes, sonst spurlos verschollenes episches Gedicht anzunehmen, das
die Sage enthielt, wie K. O. Müller (Zeitschr. f. d. Altertw. 1835, p. 1182),
oder aber ein Ausweg, den ebenfalls schon Otfried Müller andeutete
und entschieden ablehnte, Preller ernstlich wählte. Preller führte in
einer vielfach unberechtigten Polemik gegen Welcker aus (Allg. Lit.-
Ztg. 1837, p. 125), in Proklos Worten sei nicht gesagt, dass Achill nach
dem mysischen Feldzuge zum ersten Male nach Skyros gekommen,
und war überzeugt, dass die Geschichte von Achills Bergung und Ent-
deckung auf Skyros an der entsprechenden früheren Stelle in den
Kyprien gestanden habe; zum zweitenmal sei Achill in Skyros gewesen,
um seinen Bund mit Deidameia zum gesetzmässigen yduoc zu weihen.
Otfried Müller wies es ab, hier an die Kyprien als Quelle zu denken,
aus dem Bedenken, dass Proklos eine so wichtige Begebenheit nicht
wohl übergehen konnte. Welcker setzte folgende Gründe gegen Prellers
Annahme (Ep. C. II, p. 142 A. 75): Die ganze Sage von Achills Jugend-
Aufenthalt auf Skyros vertrüge sich nicht mit Geist und Charakter
der Kyprien, ebensowenig eine dermassen gefeierte Verbindung mit
Deidameia mit der eingeleiteten Hochzeit Achills mit Iphigeneia, wie
bald darauf im Gedichte geschildert war- der Dichter hätte, um die
Wiederholung zu vermeiden, Hochzeit und Abschied von Skyros ver-
bunden ; es widerspräche der Art des alten Epos, hier den Zufall spielen
zu lassen, wie er in der Zerstreuung der Flotte durch Sturm und der
so veranlassten Landung Achills liegt, wo man von Seiten Achills doch
nur bewusste Absicht annehmen könnte.

Präcisieren wir uns den Sachverhalt schärfer. Liess der Dichter
der Kyprien Achill absichtlich landen — was die blossen Worte des
Proklos mit den Ausdrücken 1^0^x0^' und 'yauei5 nicht ausschlössen
und Preller auch meinte: er denkt sogar für Xicupiu up. an eKupw Trp.—,
so sind wir zur Annahme einer neuerlichen Divergenz in der epischen
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