Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

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heftig sinnliche Zug, die Fülle an Liebesabenteuern, die Achills Leben
mit dem anderer Helden theilt; dies ist eben etwas ganz arideres als
ein „gesetzmässiger yduoc". Hiezu kommt das monumentale Zeugnis
der Vasenbilder, welche, einerseits das schwarzfigurige strenge Bild des
Kantharos aus Vulci (Berlin Furtw. 1737, Wiener Vorlegebl. S. B. IX, 4a,
Luckenb. Verh. d. gr. Vbb. z. d. Ged. d. ep. K. p. 595, Schneider,
d. troi. Sagenkr. p. 110), dessen Geberdensprache man freilich gerne
ganz verstände, andererseits die von Brunn behandelte Classe, sichtlich
die epische Version von Achills Auszug aus Phthia voll von erfreu-
licher Originalität und Phantasie darstellen. Neben diesen Bildern
hätten solche von dem Auszuge aus Skyros schwerlich Platz, nur nach
ihnen in einer späteren Periode, wo wir auf sie treffen werden. — Es
bleiben noch folgende Momente zu berücksichtigen. Nach den Kyprien,
laut Proklos, bereisen Menelaos und Nestor Hellas, um für den Krieg
zu werben, wovon nur Odysseus Gewinnung ausdrücklich hervorgehoben
wird. Dies kann nicht ein Indicium dafür abgeben, dass etwa als
Gegenstück Achills Entdeckung auf Skyros besungen war. Wir dürfen
auch hier Proklos vertrauen. In allen anderen Fällen wird es typisch
nach Heldensitte hergegangen sein, mag uns auch eine Fülle von
poetischer Schönheit und Schilderung altgriechischen Lebens damit ver-
loren gegangen sein, und der Epitomator konnte sich eine trockene
Aufzählung ersparen. Des Odysseus Entlarvung und Gewinnung hin-
gegen eine besondere Stellung einzuräumen, bestimmten den Dichter
gewichtige Gründe, und somit auch den Epitomator. Erstens hatte
Homer der Begebenheit nicht Erwähnung gethan, ohne aber sie aus-
zuschliessen, dann lag ein Reiz gerade in Odysseus Widerstreben gegen-
über der übrigen Bereitwilligkeit, endlich — und dies war ausschlag-
gebend — galt es hier den Haupthelden eines ganzen Theiles der
Dichtung, Palamedes an sich und gegenüber Odysseus zu verherrlichen,
zugleich auch sein späteres Geschick vorzubereiten.

Nun wäre noch ein episches Citat in den Iliasscholien von grösserer
Wichtigkeit, wenn uns ein klares Urtheil darüber ermöglicht wäre:
Schob Townleyana II. IX. 668 ed. E. Maass oi uev veurrepoi exe! töv
TtapGevuJvd 9acnv, evöa töv ÄxiXXea ev irapGevou axHuati Tfi Amöaueia
[auYjKaTaKÄ.h/oiJö'iv. 6 be Troinrric f^piutKUJc TravoirXiav auröv evbucrac eic
Tnv ZKupov aTreßißacrev, oi) irapOevwv dXX' dvöpwv öiaTrpaHöuevov epya,
eH luv Kai t& Xdqpupa biuperrat toTc auuudxoic. eTXe be Tnv XKÖpov, öxe eic
AuMöa eöTpaToXofouv, biä tö eivai ekci AöXouac dTuocrrdvTac Tfjc nnXeiuc
dpxnc • ^frXeov eic IxOpov AoXoTrnJöa5. töte öe Kai töv NeorrTÖ-
XeLiov eTraiboTTOiritfaTO. Es ist keineswegs sicher, dass, wie auch Welcker
annahm, das Citat einem Epos entnommen ist, welches die vom Scho-
liasten vorher vorgetragene Version enthielt, sondern sehr wohl möglich,
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