Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

Seite: 168
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1890/0182
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
glaube, zu danken, dass die Geschichte von Achills Jugendleben auf
Skyros, damals zuerst, sei es nach Attika gebracht oder dort beachtet,
durch Vermittlung der attischen Kunst Gemeingut Griechenlands wurde.

Dass die Vasenmalerei in Athen, so oft das Interesse der Zeit
wiederspiegelnd und verwertend, unmittelbar auch diesen Stoff ergriff,
glaube ich nachweisen zu können, indem ich zunächst ein bisher anders
gedeutetes Vasenbild diesem Mythos vindiciere.

IL

Die Schale von Orvieto: Mon. in. d. Inst. XI. tav. XXXIII3). Das
eine Aussenbild zeigt die bekannte Scene: Achills und Memnons Zwei-
kampf. Obwohl nicht der am häufigsten vorkommende Typus hier
angewendet ist, kann doch kein Zweifel über die Deutung der einzelnen
Figuren ernstlich aufkommen. Wo es sich, wie die beiden Randfiguren
zeigen, um die Fällung Memnons handelt, kann nur der so mächtig
ausfallende Krieger links Achill sein, der durch die Stelle in der
Composition, durch Leibesform und Waffenschmuck so nachdrücklich
hervorgehobene Gefallene nur Memnon, von Achill bereits niederge-
worfen. Wir sehen schon hier, dass die ausdrucksvolle Charakteristik
dieses Vasenmalers streng interpretiert sein will.

Das zweite Aussenbild bietet wohl bekannte Einzelmotive, als
Ganzes aber nicht eine der uns geläufigen Compositionen. Da die bei
der Publication von Körte gegebene Interpretation aus dem Meleager-
mythos Hauptelementen der Composition nicht gerecht wird, dürfen
wir uns eine neuerliche Prüfung nicht verdriessen lassen. Ein jugend-
licher Krieger zieht, wie sein Aufzug und der Abschiedstrunk, vom
greisen König gereicht, beweist, aus einem Königshause zum Kampf
aus. Nicht ein jugendlicher Held schlechthin ist dargestellt, sondern
deutlich mit grosser Sorgfalt ein Mellephebe von fein ausgeführtem
Kopftypus. Hier ist von vorneherein zu betonen, dass eine so ver-
schiedenartige Darstellung der heldenhaften Hauptfiguren auf den beiden
Aussenbildern ihre besondere Bedeutung haben muss, die gewiss nicht
erkannt ist, wenn man einerseits Achill als bärtigen Krieger, andererseits
den mannhaften Meleager als ebenreifen Heldenknaben dargestellt
finden will. Die Geberde des Helden weist uns auf die Gestalt, die
ihm gegenüber mit ihm und einer dritten Figur die Bildmitte einnimmt.
Es ist ein älterer bärtiger Mann von erregtem Ausdruck, in Mantel
und Schuhen, weit vorgebeugt auf den Knotenstock aufgestützt. Wir

3) In der Sitzung vom 5. Februar 1884 der Berliner Archäol. Gesellschaft
deutete R. Engelmann das nachfolgend behandelte Vasenbild auf Neoptolemos Aus-
zug nach. Troia (Sitzungsbericht in Arch. Ztg. 1884, p. 72) und nahm das Bild
für diese Scene auch in seinen Homer-Atlas für die Schule auf.
loading ...