Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

Seite: 169
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sehen den Schlusspunkt einer wichtigen Unterredung vor uns: Der
ältere Mann hat dem Jüngling zugesprochen, nun ist die Entscheidung
gefallen, sie tauschen darüber den Handschlag aus: Der Jüngling wie
mit ernstem, bestimmtem Entschlüsse, der Aeltere rasch zugreifend.
Ganz anders aber wirkt — und dies ist entscheidend für die Abweisung
der Körte'schen Deutung — der lautgewordene Entschluss auf die
übrigen gegenwärtigen Personen, man erkennt zwei in entgegengesetzter
Weise an dem Vorgange betheiligte Parteien. Anwesend sind zunächst
ausser dem schon erwähnten König noch drei Mädchen, gleich ge-
schildert, die Töchter des Hauses. Sie alle sind von einem unerwarteten,
schmerzlichen Begebnisse beherrscht, und ihrer Gefühlsäusserung ist
ein Zug von Unwillen beigemischt. Die Eine breitet erschreckt und
trostlos die Arme aus, die Andere bei überwiegendem Ausdruck des
Staunens geberdet sich wie um noch Einhalt zu thun; die dritte aber
ist vorgeeilt und umfasst den Nacken des Jünglings, um ihn nicht zu
lassen, in starrer Haltung spricht sie erregt auf ihn ein: derart mit
ihm vereinigt und hervorgehoben zeigt sie uns, dass sie das Ereigniss
auch am nächsten betrifft. Der greise König scheint in der Art, wie
er aufgeregt mit der Linken an dem Knotenstabe fingernd einen Aus-
ruf begleitet und heftig mit der Rechten die Schale vorstösst, nach
gespanntem Zuwarten seiner nunmehrigen Stimmung Luft zu machen:
„Zieh hin, wenn Du's nicht anders willst." An dem Begebnisse ist
nichts mehr zu ändern, aber ungesehen von den Sterblichen, in Epiphanie,
verkündet Artemis mit drohender Geberde Missbilligung und Unheil.

Zunächst einige Beispiele sonstiger Verwendung von Einzelmotiven
des Bildes.

1. Der Mann auf den Krückstock gestützt. Dies so häufige Motiv
ist abgesehen von den mehr oder weniger ruhigen Zuschauern bei Pro-
ductionen, Spielen, Rüstungen u. dgl. Scenen in folgenden Typen heran-
zuziehen : a) Erotisches Gespräch. Hier ist diese Figur in allen mög-
lichen Variationen namentlich auf den Schalenbildern der Blütezeit zu
studieren, z. B. Wiener Vorlegebl. S. VI. 8a- b-; S. A. 3. 6; C. IV. V;
Arch. Ztg. 1885 Taf. 18. 19, 1; besonders Scavi della Certosa tav.
XVII. 4, wo das Gruppenmotiv unseres Bildes im wesentlichen wieder-
holt ist; ibd. XVII. 5. — b) Gesandtschaft an Achill. Brit. Mus. Cat. 831
(Gerhard Trinksch. und Gef. Taf. E. F. ob. Aussenb. und Innenb.);
Wiener Vorlegebl. S. C. III. 3; C. VI zweimal, in der Figur des
0\urreuc modificirt, während hier Aias genau dem Manne vor Achill
bei Gerhard 1. c. entspricht. — c) Priamos bei Achill. Gerhard
A. V. III. 197 (München Jahn 890 B). Mann hinter Achills Stuhl. —
d) Einander sehr ähnlich sind die Gruppen des Mannes und gegen-
überstehenden Jünglings auf den beiden Gefässen : Dubois-Maisonneuve
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