Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

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Introd. pl. LXIX (Neapel. Heydemann 2418, Engelmann Annali 1874
p. 11 n. 14: Bellerophon vor Proitos) und Millingen Peint ... de div.
coli. pl. LV (unerklärt). — Gemeinsam allen diesen Bildern und dem
unsern zugrunde liegt in eifrigem Gespräch versuchte Ueberredung,
ein Motiv dessen formelle Gestaltung die attische Kunst der ersten
Hälfte des fünften Jhs. dem athenischen Leben auf der Strasse und
in der Palästra entnommen zu haben scheint.

2. Haltung des Königs. Genau so die des Mannes auf dem Bruch-
stücke bei Benndorf Gr. u. sie. Vasenbb. Taf. XXIIII. 1 b, der mit dem
Ausrufe (geöffn. Mund) Zeu cfujxep libiert. — Besonders belehrend ist
die Vergleichung von : Gerhard Tr. u. Gef. Taf. D, unteres Aussenb.
(vergl. Benndorf und Niemann das Heroon von Gjölbaschi- Trysa
p. 146 sq. 4). Es kann hier kein Zweifel sein, dass die Art wie Hera
die Schale heftig vorstreckt, Zeus die seine zurückzieht, absichtlich in
Gegensatz gebracht und bei der Deutung in erster Linie zu berück-
sichtigen ist. — Der Gestus des Weitvorstreckens der Schale bei
sitzenden Figuren ohne individuelle Färbung mit anderem Gepräge
z. B. auf Brygos Triptolemosbild, Wiener Vorlegebl. S. VIII. 2.

3. Artemis. Die Darstellung ist im Habitus der ganzen Gestalt
die typische, in Ausdruck und Geberde situationsgemäss individuell.
Schalenbild des Duris W. V. S. VI. 7, des Brygos S. VIII. 3 (Innenb.),
oder aus einer anderen Gefässgattung El. cer. IL 12 (Oinochoe
aus Vulci).4)

4. Die beiden Mädchen l. von der Mittelgruppe. In verwandten
Stellungen und Geberden findet man Frauengestalten nicht bei sonstiger
Erregtheit, sondern durchwegs bei erstaunlichen oder schrecklichen
Ereignissen, z. B. Ueberfall, Geburt der Atbena u. s. w. Doch ist
auch die Bewegung dieser Gestalten, bes. der in Vorderansicht, frei
von Schematik. Interessant ist die Vergleichung der Bewegung des
2. Mädchens von 1. mit derjenigen, in welcher Thetis und Eos auf
dem anderen Aussenbilde begriffen sind. Hier wie dort eine ähnliche
Bewegung der Arme, die aber sofort durch verschiedene Körperhaltung
differenciert wird. Indessen bestimmt in beiden Fällen das gemeinsame
Motiv der Abwehr den Ausdruck.

Wenn wir aus diesen Resultaten der Interpretation das Bild auf
Achills Auszug in den troischen Krieg deuten, so gelangt die Haupt-
gestalt in trefflicher Beziehung zu dem Gegenbilde zu vollem Recht.
Hier haben wir Achill den Heldenknaben, wie er sich „der jüngste
von allen, ohne durch Eid gebunden zu sein" (Arist. Rhet. IL 22) frei-
willig in den Kampf zu ziehen entschliesst, dort den volljährigen Krieger

4) Herr W. Reichel verglich die Haltung Apollons vom Olympiagiebel.
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