Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

Seite: 175
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wesentliche Beeinflussung einer oft wiederholten Sarkophagcomposition
schliessen durfte, wobei wir in Aegisths und Klytaemnestras Ermordung
nebst Orestes' Wahnsinn wieder auf Scenen treffen, die mit den troischen
Begebenheiten ähnlich zusammenhängen wie Achills Auszug aus Skyros.
Dies Zusammentreffen von Umständen ist schwerlich ein ganz zufälliges,
so dass wohl für die in sich wahrscheinliche Abhängigkeit unserer
Compositionen von der alexandrinischen Malerei in Hauptmotiven und
dem sie durchdringenden Geiste der Anknüpfungspunkt in bestimmterer
Richtung gegeben ist.

Bei den Eigenthümlichkeiten der Sarkophagrelief-Composition ist
auch für unsern Vorwurf nicht daran zu denken, dass man irgend
einem einzelnen Vorbilde getreu blieb. Dazu legten es Gründe der
formellen Ausführung nahe, sich an bekannte gute Muster der Plastik
zu halten. Hier ist die Entscheidung wegen des Ineinandergreifens
des malerischen und plastischen Stils besonders in den spätesten Zeiten
oft unsicher. Aber bestimmte kaum malerische Einzelmotive, die sich
nicht nur im Sarkophagrelief auffallend wiederholen, lassen in einigen
Compositionstypen dieser Scene eine Verschiebung und Beeinflussung
durch plastische, speciell auch statuarische Vorbilder annehmen. Auch
dies wird auf Grund eines sicheren Apparats noch zu untersuchen sein.

Wien, im September 1889 FRIEDRICH LOHR

Römische Hermenbüste

Das auf Seite 176 abgebildete Monument wurde vor einigen Monaten
in einem Beichtstuhle des St. Stephansdomes zu Wien gefunden und
hinterliegt gegenwärtig bei dem Cooperator Herrn Franz Maurer in
Wien. Nach einer nicht unwahrscheinlichen Vermuthung des letzteren
dürfte das Stück irgendwo entwendet und infolge von Gewissensbissen
an jenen Ort gebracht worden sein. Lässt sich somit auch die Pro-
venienz desselben nicht mit vollkommener Gewissheit feststellen, so liegt
doch kein Grund vor, über Wien und dessen Umgebung hinauszugehen.
Dem widerspricht wenigstens nicht das Material der Büste. Herr Professor
Schrauf, der auf Ersuchen Professor Bormanns dasselbe prüfte, äussert
sich darüber in folgender Weise: „Das Gestein ist ein äusserst kalk-
armer klastischer Sandstein der Flysch-Formation (eocaen-cretaceischen
Alters). Ob aber das fragliche Material thatsächlich den dichteren
Schichten des Wiener Sandsteines entnommen ist, lässt sich nicht
mit absoluter Sicherheit aus dem mineralogisch-mikroskopischen Befunde
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