Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

Seite: 188
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1855 S. 32 = Oeuvres VIII S. 474) hat, auf Dio allein gestützt, den-
selben zum Nachfolger des, wie er meinte, im Jahre 171 oder bald
darauf im Markomannenkriege gefallenen M. Claudius Fronto gemacht.
Jetzt kommt uns ganz gelegen eine Inschrift aus Iglitza zu Hilfe (vgl.
diese Zeitschrift Bd. XI S. 30 N. 27), aus welcher hervorgeht, dass
Cornelius Clemens bereits im Jahre 170 an Stelle von Fronto Statt-
halter von Dacien war.

Einen äussersten Termin für die Dauer der Statthalterschaft des
Clemens liefert uns Capitolinus v. Pert. c. 2—3: 'Cassiano motu con-
posito e Syria ad Danuvii tutelam profectus est atque inde Moesiae
utriusque, mox Daciae regimen accepit. Bene gestis his provinciam
Syriam meruit. Integre se usque ad Syriae regimen Pertinax tenuit,
post excessum vero Marci pecuniae studuit.'

Da also Pertinax noch zu Lebzeiten des Marcus nach Syrien kam,
so müssen sämmtliche oben erwähnte Aemter in die Zeit zwischen
Ende 175 und 179 fallen, für Dakien ergibt sich als spätester Termin
178—9. Noch etwas weiter nach rückwärts verschiebt sich derselbe
durch die Erwägung, dass Marcus während des letzten grossen Ger-
manenkrieges, zu dem er selbst 178 auszog, einen Statthalterwechsel
gerade in der gefährdetsten Provinz sicherlich nicht vorgenommen
haben wird, wenn nicht zwingende Gründe, Tod oder Unfähigkeit vor-
lagen. Da nach der Fassung der angeführten Stelle des Capitolinus
Beides ausgeschlossen ist, werden wir mit vollem Rechte annehmen
dürfen, dass Pertinax noch vor Wiederausbruch des Krieges nach
Syrien abgieng, demnach spätestens 177 die Verwaltung Dakiens über-
nahm. Für Clemens stellen sich so als äusserste Fristen für die
Statthalterschaft in Dacien die Jahre 170 und 1773) heraus.

3) Eine weitere Beschränkung derselben ergäbe sich, wenn Borghesi (a. a. 0.
S. 32 = 474) Recht behielte, der zwischen Clemens und Pertinax noch einen L.
Aemilius Carus einschiebt (vgl. C. I. L III 1153. 1415; C. I. L. VI 1333). Und
allerdings scheint mir derselbe nicht, wie Mommsen zu C. I. L. III 1153 für möglich
hält, unter Pius gesetzt werden zu können, da nach C. I. L. III 753 und 751 noch
unter Marcus Dakien zweigetheilt erscheint, Aemilius aber bereits den Titel leg.
Aug. pr. pr. III Daciarum führt. Andererseits kann er als leg. Aug. weder vor
Fronto noch unmittelbar nach Pertinax eingefügt werden. Diese Schwierigkeit fiele
weg bei einer Ansetzung 175/6. Damit würde auch sehr wohl stimmen, dass, wie
Pertinax nach dem cassischen, so Clemens nach Beendigung des Germanenkrieges
abgelöst und befördert wurde, wie denn überhaupt nach jenen grossen Kriegen eine
Neuordnung und Regelung der Beamtenverhältnisse in grösserem Umfange sich als
nöthig herausgestellt haben wird. Allein da wir keinen Anhaltspunkt haben, eine
Ansetzung des Aemilius unter Commodus abzuweisen, so müssen wir uns begnügen,
auf die Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit jener Annahme hinzuweisen, ohne sie
in der Combination unmittelbar verwerthen zu können.
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