Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

Seite: 189
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Dio berichtet, dass die Astinger, nachdem sie von den Dankrigern
besiegt worden, sich an Marcus gewendet und als Gegenleistung für
die Anweisung von Geld und Land Hilfe gegen die tote -rroXeuoövTec;
ot — also während des Krieges — versprochen hätten; es ist nach
dem im Vorhergehenden Auseinandergesetzten klar, dass diese Ver-
sprechungen sich auf den Germanenkrieg 170—175 beziehen; auch
erzählt Dio im unmittelbaren Anschlüsse daran von einem ähnlichen
nicht eingehaltenen Versprechen der Kotiner, wobei die Markomannen
ausdrücklich mit Namen genannt werden.

Eine genauere Fixierung innerhalb dieses Zeitraumes ermöglicht
die von Barnabei a. a. O. behandelte stadtrömische Inschrift. Ich
setze die wichtigere erste Hälfte mit Barnabei's Ergänzungen hieher:
(1) L. lulio Vefhiljio GfratoJ |.| Iuliano, prafef. p]r., praeff.J [j ann., a
rationib., praef. cflassis pjraet. misenat., pra[ef.] || classis praet. JRaven-
[nat.7 proc. ÄJug. et praep. vexilflaj || (5) tion. tempore belli [Britannici,
projc. Aug. provinc[iae] LusitfaniaeJ et Vettfoniae, proc. ÄJug. et
praeposit. \\ vexillationis per . . . ., proc. Aug. j| et praef. classis Pofn-
tic]a[e7 proc. Augg. ejt prafep.J \\ vexillationis per Achaiam et Mace-
doniam |j (10) et in Hispanias adversus Castabocas et j| Mauros rebelles7
praeposito vexillatio\\nibus tempore belli Germanici et Sarmat. ]| etc. etc.
Aus Zeile 7—13 sehen wir, dass an den Krieg der Jahre 170—175
sich anschliesst das Commando einer Truppenabtheilung, welche zu
zwei Expeditionen, gegen die Kastaboken nach Achaia und Macedonien
und gegen die Mauren nach Spanien verwendet wurde.4) Wenn wir
nun bei Dio die Ueberlieferung haben, dass während des Krieges die
Kastoboker aus ihrem Lande vertrieben werden (dies ergibt doch
wohl sicher der Ausdruck des Dio wc; . . . KTncrouevoi ■ viKricravxec; öe
eicdvouc; und die Furcht der Dankriger, dass sie auch in ihr Land
einfallen könnten), bei Pausanias lesen, dass eben diese Kostoboker
um diese Zeit in Griechenland raubend und plündernd einfallen, und
unsere Inschrift erzählt, dass nach dem Germanenkriege eine Truppen-
abtheilung gegen sie durch Achaia und Macedonien ausgesandt wurde,
so kann, glaube ich, kein Zweifel obwalten, dass zwischen diesen drei
Ei •eignissen ein ursächlicher Zusammenhang besteht. Nicht minder
klar aber ist, dass die Vertreibung der Kostoboker, ihr Einfall in
Griechenland und der Zug des Julianus gegen dieselben kurz nach ein-
ander geschehen sein müssen, mit anderen Worten, dass die Diostelle
kurz vor, der Zug des Julianus nicht zu lange nach dem Friedens-
schlüsse 175 anzusetzen ist.

4) Diese beiden Expeditionen etwa noch während des Germanenkrieges anzu-
setzen, verbietet, wie ich glaube, wohl die Stilisierung der Inschrift, insbesondere
die Wiederholung des Ausdruckes praep. vexillationis.
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