Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

Seite: 190
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Barnabei hat zwar, weil in der Aufzählung der Aemter des
Julianus die absteigende Reihenfolge innegehalten ist, den Zug gegen
die Kostoboker nach der Expedition gegen die Mauren eingereiht und
so für denselben das ungefähre Datum 178/9 erhalten, wie mir scheint,
mit Unrecht. Die absteigende Linie ist natürlich festgehalten in der
Anordnung der einzelnen Aemter untereinander; aber wie der Singular
vexillationis gegenüber vexillationibus Z. 11—12 und noch mehr die
eigentümliche Verschränkung des Ausdruckes deutlich zeigt, war es
eine und dieselbe Truppenabtheilung, welche er in beide Länder führte,
der Oberbefehl über dieselbe kann also, und soll dies auch nach der
Stilisierung der Inschrift, nur als ein Amt gelten. Dann aber ist es
eigentlich selbstverständlich und brauchte kaum der Bestätigung durch
die parallele Erscheinung bei Aufzählung der dona militaria Z. 16—19,
dass in der Angabe der Landschaften, in welche ihn sein Amt
geführt, die historische Folge bewahrt ist. Wenn dabei die Dauer
des Maurenkrieges länger angesetzt wird, als die des Zuges gegen
die Kostoboker, so entspricht dies sicherlich den thatsächlichen Ver-
hältnissen und vereinigt sich sehr wohl mit dem, was 0. Hirschfeld
(Wiener Studien Bd. VI S. 123) über den in G. I. L. II 1120 und 2015
erwähnten und unter Marcus und Commodus zu setzenden Maurenkrieg
bemerkt hat.5)

Halten wir also an dem oben gewonnenen Resultate fest, so haben
wir uns ungefähr folgendes Bild von den Ereignissen zu machen.
Gegen Ende des Markomannenkrieges, ca. 175, werden die Kostoboker
aus ihren Wohnsitzen von den Astingern vertrieben und unternehmen
einen jener Raubzüge durch den Osten des römischen Reiches, wie sie
damals leider nicht zu den Seltenheiten gehört haben. Auf diesem
gelangen sie bis nach Phokis, wo vor Elateia wohl nur eine kleine
Abtheilung des ganzen Trupps von Mnesibulos mit einer Anzahl wackerer
Bürger zurückgeschlagen wird. Bald nachher, um 176, erscheint Hilfe
vom Reiche, die Barbaren werden durch Achaia und Makedonien
zurückgeworfen und ihr Häuptling (vgl. C. I. L. VI 1801) nach Rom
gebracht. Da die Kostoboker noch bei Ammian a. a. 0. als bestehender
Volksstamm erwähnt werden, so hat man entweder anzunehmen, dass
von vornherein nur ein Theil des Stammes sich an jenem Plünderungs-
zuge betheiligt hat, oder dass nach der Unterwerfung die Reste wieder
in ihre Heimat zurückversetzt wurden.

5) Mit dieser vexillatio könnte auch, worauf mich Herr Prof. Bormann auf-
merksam macht, der Soldat der leg. XIII gemina, welche in Dacien stand, der C. I. L.
VIII 9365 in Caesarea, der Hauptstadt von Mauretanien, dem Sex. Cornelius Clemens
als dux trium Daciarum ein Denkmal setzt, nach Mauretanien gekommen sein.
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