Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

Seite: 208
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sehen, dass dort klar zu lesen ist: das Erdbeben aus dem 'zweiten'
Regierungsjahr des Kaisers Leo des Großen (seit 7. Febr. 457), das
sich am 14. Gorpiaios = September 506 xpr\\icmZo\)Gr]<z TuS TröXeuuc;
(= 457 n. Chr.) um 4 Uhr Nachts vor Sonntag (Sonntagsbuchstabe F,
Sonntag 15. Sept.) in der 11. Indiction zutrug, falle 347 Jahre später
eHoiou 6 kcxt& Tpcuavöv Y^T°vev, das in das Jahr 159 xfjc; auiovouiac;
gehöre. Rechne ich mit Marquardt u. a. von Pompeius' Neuordnung
Syriens ab, so gelange ich mit 159—64 = 95 in die Regierungszeit
des Domitian (f 18. Sept. 96), nicht aber in die des Traian, dessen
Alleinherrschaft am 28. Januar 98 beginnt.14) Aber mit 159—49 = 110
in die Traians, und mit 110 -{- 347 == 457 in die Leos. Dass Euagrius
die Aera richtig bezeichnet und wirklich eine Neuordnung des Stadt-
wesens durch Caesar ihr zugrunde liegt, glaube ich nicht; aber es ist
Thatsache, dass auch sonst damals Caesar als Urheber seiner Autonomie
angesehen wurde, vgl. chron. Pasch. S. 354 Dind.: irpoeTeGn ev Ävtio-
Xeia Tf) ueYaXn f) eXeuGepia auTfjc;, öxe Kai Otto Pujuououc; erevexo, ifj k'
tou Äpieutoiou urjvöc; TtejucpOeicra Trapa tou auxoö 5louMou Kcricrapoc;.
- - xpimaxiEei ouv xfj^ üexaXric; Ävrtoxeiac; eis Tiunv aurfic; exoc; a' Kai
rcpüuTOV eroc; rrjc; irevTeKaibeKaeTnpibo^ tüjv ivöiktuuv dirö irpüJTOu erouc;
Taiou louXiou Kaicrapoc;, während der dieser Notiz zugrunde liegende
Bericht des Malalas (S. 216 f.) das Freiheitsedict und die Aera An-
tiochiens nicht deutlich in ein ursächliches Verhältnis und überhaupt
nicht nebeneinander stellt, sondern die Entstehung der letzteren erst
nach der Erwähnung von Caesars Ermordung einflicht. Da aber jenes
Edict nach Malalas' Zeugnis mit dem Einzüge Caesars in Antiochia
zusammenhängt und demnach in die Zeit seines Zuges gegen Pharnaces
zu setzen ist (etwa Ende Juni 47 v. Chr.,15) somit über ein Jahr nach
der Schlacht bei Pharsalus und gegen Ende des zweiten Jahres der
neuen Aera!), verliert die Combination des chron. Pasch, alle Wahr-
scheinlichkeit.

14) Für die Frage nach dem dies imperii Traians (27. oder 28. Januar?) möchte
vielleicht auch das Datum jener großen Basen in Betracht kommen, die von einem
Theile des kais. Münzpersonals, wohl sämmtlich V k. Febr. L. Vipstanio Messalla
M. Vergiliano Pedone cos. (= 28. Jan. 115) dem Apollo Aug., dem Hercules Aug.,
der Fortuna Aug., resp. von den conductores flaturae argentariae monetae Caesaris
der Victoriae Aug. gesetzt worden sind (C. I. L. 6, 42—44 und 791; ganz datiert
erhalten nur 43 und 44).

15) Leider lässt sich, da damals die Ausgleichung des syrischen und des
römischen Jahres noch nicht erfolgt sein konnte, was wohl durch Caesars Kalender-
reform geschehen ist, das Datum des 20. Artemisios nicht genau auf ein julianisches
umrechnen. Ich habe mich oben Judeichs Berechnung (Caesar im Orient S. 106 ff.,
er hat den 20. Artemisios dieses Jahres mit dem 25. Juni jul. geglichen) angeschlossen,
so problematisch sie immerhin ist.
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