Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 14.1891

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ein Prädicat ähnlich dem Canon des polykletischen Doryphoros, dem
Periboetos des praxitelischen Satyrs, dem Eucnemon der strongylionischen
Amazone und dem Hemeresios des pausias'schen Knabenbildes erkennen.
'EYKpivöuevoc; aber ist participium praesens und mit diesem grammatischen
Thatbestand ist die angeführte Deutung einfach unvereinbar.

An und für sich sind Participia praesentia als Beiworte für
Statuen und Bilder nicht gerade selten. Sie finden sich zwar nur
bei Plinius, aber da steht noch über ein Dutzend im griechischen
Gewände und sie dienen ausschließlich dazu, das künstlerische Motiv
der dargestellten Figur zu bezeichnen. Ich setze drei Beispiele voran,
weil bei diesen der Zusatz wiederkehrt, mit dem unser Autor das
„Enkrinomenos" anführt.

34, 55 heißt es von Polyklet duosque pueros (fecit) item nudos
talis ludentes qui vocantur astragalizont.es /

35/106 von Protogenes satyrus hic est quem anapauomenon vocant;

35, 108 von Antiphilus nohilissimo satyro (laudatur) cum pelle
pantherina, quem aposcopeuonta appellant.

Daran reiht sich der Apoxyomenos des Lysipp, der Diadumenos
Polyklets, die Stephanusa; Catagusa und Pseliumene des Praxiteles,
die Anadyomene des Apelles, die Anapauomene des Aristides, die
Epithyusa des Phanis, der Poppyzon des Nealkes, der Perixyomenos
des Antignotos wie der des Daippos.

Aber damit ist die Zahl der Beispiele nicht zu Ende, ein weiteres
halbes Dutzend hat uns Plinius in lateinischer Form bewahrt, wobei
ich die destringentes se des Dädalus und Polyklet, wie dessen 'nudus
talo incessens' nicht mitzähle. Es sind der Claudicans des Pythagoras,
der Contionans des Kephisodot, der Adorans des Boedas, der Anhelans
des Naukeros [hier heißt es allerdings N. luctatore anhelante (censetur),
aber der Motivname Asthmainon steckt doch deutlich in der Stelle], dann
der Supplicans des Aristides und der inunguens se des Theon (Theorus).

In diese geschlossene Gesellschaft, die Plinius wohl aus Pasiteles
großem Werke herübergenommen haben dürfte, gehört sicherlich unser
Enkrinomenos. Aber während all' die anderen Motivnamen an und für
sich sofort verständlich sind, so entsteht hier die Frage, wie wir uns
die plastische Darstellung eines Athleten, im Augenblicke wie er die
KpiCfic; besteht, zu denken haben. Vermuthlich gar nicht, denn was uns
über diese berichtet wird, ladet dazu gerade nicht ein. Seit wir den
Gymnastikos des Philostrat wieder besitzen, sind wir über diesen Punkt
im Klaren; diese Hauptstelle p. 88 lautet:

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