Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 14.1891

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dass diese beiden Synonyme sich völlig analog zu einander verhalten,
wie die beiden früher erwähnten. ÄTtocFxXeYY^w ist der richtige Kunst-
ausdruck. Schon die drastische Art wie Lucian Rhet. praec. 17 dem
Rhetorenjünger den Unterschied zwischen diesem und diToHueivklar macht,
genügte für uns vollauf, aber es verdient doch auch eine Erwähnung,
dass für den palästinischen Gebrauch des letzteren im Thesaurus bloß
ein Beispiel aufgeführt wird -— die Statue des Lysipp. Die Zahl der
dort für diroö'TXeYT^eiv angeführten Stellen lässt sich durch zwei aus
dem später wiedergefundenen philostratischen Gymnastikos vermehren:
p. 88 u. p. 32, wo es heißt: f\ crxXeYYk dvauiuvricfKei töv dGXnxr]v eXaiou
Kai cpncri beiv eirayeiv aöxö ouxuuc; dcpGovuuc;, düc; Kai a7T0ö'xXeYYi££lv
dXeiijj avxa.

Diese Ausdrucksweise erklärt sich vom Standpunkt des Sachver-
verständigen. Wie der Uneingeweihte sprach, das lehrt uns wieder
die drollige Geschichte, die Dio Chrysostomus den Alexandrinern von
Anacharsis zum Besten gab (p. 674): fjxe be de; ty\v cEXXdba Geatfouevoc;
ofuai xd xe eGn Kai xoijc; dvGpuuTrouc; ■ eXeYev ouv üjc; eöXiv ev eKaörn
TioXei xujv cEXXr|vwv dTrobeberruevov xwpiov, ev w uaivovxai KaG3 riuepav,
xö Yuuvdmov • eireibdv Ydp eXGovxec; d'rcobuö'uuvxai, xpi°VT{xl

cpapudKUJ, xouxo be eqpn Kiveiv auxoTc; xr)v uaviav • euGuc; YaP oi uev
xpexoucriv oi be KaxaßdXXouörv dXXrjXouc;, oi be xuu x^P6 dvaxeivavxec;
udxovxai npöc; oubeva dvGpüumuv, oi be xraiovxat. xauxa be TroiriCFavxec;
dir o Ho er d u ev o i xo cpdpuaKov auxka auuqppovoöcriv.

Da nun der Autor unserer Motivnamen keinen Apostlengizomenos,
wohl aber Apoxyomenos und Perixyomenos aulführt, so wird man bei
ihm keinen Enaleiphomenos, sondern einen Enchriomenos zu suchen
haben und damit sind wir am Ziel.

Das Verderbniss erklärt sich sehr einfach. Plinius schrieb En-
criomenos, wie er clidueos schrieb und wie das eine seinen Abschreibern
nicht mehr verständlich war, so gings dem andern auch. Mit dem
Verschwinden des einen „n", das wir aus dem plinianischen Text in ,,
die Tiefe des kritischen Apparates hinabgleiten lassen, finden nun zwei
Fragen, die auf der Tagesordnung der kunstgeschichtlichen Forschung
stehen, ihre Erledigung. Wir wissen nun einerseits, warum der „classische"
Pentathlos des Alkamenes in unserem Monumentenvorrath vergeblich ge-
sucht ward, und wenn man anderseits für den herrlichen sich salbenden
Athleten in München und seine Repliken nach einem großen Meister-
namen allerdings in der nächsten Nähe unseres Alkamenes forschte, so
gibt auch hierüber die richtige Lesung unserer Stelle Auskunft, die
nun heißt: Alcamenes fecit aereum pentathlum qui vocatur encriomenos.

Prag, Juni 1890 WILHELM KLEIN
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