Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 14.1891

Seite: 40
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Alterthümer von Brigetio

Herr J. Hollitzer in Wien hat vor kurzem eine Reihe von Gegen-
ständen, welche an der Stelle des alten Brigetio gefunden worden waren,
für seine Sammlung erworben. Durch sein Entgegenkommen sind wir
in den Stand gesetzt, von denselben im Folgenden Beschreibungen
und Abbildungen veröffentlichen zu können.

1. Ein henkelloses Broncegefäß; in Form eines Kelches, das durch
Guss hergestellt und 8*5 cm hoch, im inneren Durchmesser etwas über
6 cm breit ist. Der Rand des Kelches ist gezackt und die 17 nach
außen umgebogenen Zacken endeten alle in Knöpfchen, von welchen
jetzt 9 abgebrochen sind. Der Fuß ist nicht massiv, sondern gedreht
und hat in der Stehfläche zwei vertiefte concentrische Ringe. Die Reliefs
sind vielfach stumpf, aber im ganzen deutlicher, als die Abbildungen,
welche das Gefäß von drei Seiten geben, erkennen lassen.

Um den Bauch des Gefäßes läuft in ungleich hohem Relief die
Darstellung eines Opfers. Dort wo der Bauch in die Verticale
übergeht, zieht sich um das ganze Gefäß ein Wulst, der, unregelmäßig
hoch und dick, den Erdboden darstellt. Eine Platane mit weit nach
beiden Seiten hin sich verzweigenden Asten und ein Gebüsch rechts
vom Stamme der Platane auf der einen Seite und auf der anderen
ein Tempel mit Baum links daneben bezeichnen die Örtlichkeit. Nach
rechts hin von der Platane aus wird ein Stier zu einem Opferaltar
geführt, der fast genau die Mitte der Darstellung einnimmt. Das Thier
ist im Profil gegeben und lebhaft bewegt, der Schwanz schlägt die
rechte Weiche. Den Stier hält am linken Horn sein Führer mit der
ausgestreckten Rechten; er steht ruhig, in Vordersicht, bekleidet mit
einem einfachen Gewände, das gegürtet zu sein scheint und nur die
Oberschenkel zur Hälfte bedeckt, in der gesenkten Linken das mächtige
Schlachtbeil haltend. Das Opferthier ist viel kleiner gebildet. Der
Altar ist vierseitig, erhebt sich auf zwei Stufen und hat oben einen
Ablauf, auf welchen zwei rundliche Gegenstände, vermuthlich Früchte,
liegen und die Flamme in die Höhe schlägt. Von rechts treten an den
Altar zwei Personen heran; eine größere Gestalt in Vordersicht, den
Kopf leicht gegen den Altar gewendet, mit doppeltem bis auf die Füße
reichenden Gewände, das Obergewand über den Kopf gezogen, also
ein Priester mit undeutlichen Opfergegenständen in den Händen; sodann
ein Camillus in langsamer Bewegung nach links mit einem nur bis
zu den Knien reichenden Gewände, in der gesenkten Rechten eine
Kanne, in der linken Hand die Acerra. Den Abschluss der Darstellung
bildet ein Baum mit einer unteren größeren und oberen kleineren
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