Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 14.1891

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Hemd und Beinschienen; die gesenkte Rechte hält eine Patera, während
die erhobene Linke einen Speer aufstützte; das rechte Bein ist Standbein.
Vgl. die in ihrer Haltung identische Figur bei E. v. Sacken a. a. O.
Taf. XVII 6 und eine ähnliche ebenda Taf. VI 6. Eine Bronce-
statuette in gleicher Tracht und Haltung, welche
ein Freund vor kurzem aus Rovigno brachte,
stellt den Gott jugendlich dar.

4. Priap-Herme aus Bronce, 7 cm hoch. Der
Schaft der Herme, der auf einem viereckigen
Plättchen ruht, geht in den Oberkörper eines
bärtigen alten Männchens über. Der Körper ist

stark zurückgebeugt, der Kopf etwas
nach vorwärts gesenkt und der Bart,
dessen Strähne auseinander gehen,
bedeckt den oberen Theil der Brust.
Ein abwärts gerichteter mächtiger
Phallos wird durch ein Gewand zum
größten Theile bedeckt, das straff
um den ganzen Körper gezogen ist
und auch die an die Brust gelegte
Rechte wie die etwas gesenkte Linke,
welche das Gewand zusammenhält, einhüllt; das
Plättchen, auf welchem die Herme steht, hat rechts
und links ein rundes Loch und an die Mitte der
hinteren Hermenfläche anschließend einen senk-
recht stehenden Ring. Die Herme war also mit
Nägeln auf einem Stative befestigt und ein Kettchen
oder eine Schnur ging nach hinten weg • sie muss
demnach als Verzierung irgend eines Geräthes
gedient haben.

5. Zwei chirurgische Instrumente aus Bronce:

BH II

a) ein Wundhäkchen von 16*5 cm Länge
mit schön gearbeitetem (gedrehtem) Griffe (von 6 cm
Länge), der Stiel des Hakens ist achtkantig;

b) eine Pincette in 3 Stücken, die sich
völlig zusammenfügen lassen, ebenfalls mit dem
hübsch gedrechselten Griffe von 3 cm Länge
16*5 cm lang. Die beiden am oberen Ende zu-
sammengebogenen und so eine Zange bildenden M
Metallstreifen haben gezahnte Ränder, die inein-
ander greifen, und waren federnd auf dem Griffe
angebracht. Die Streifen, die gegen die gezahnten
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