Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 14.1891

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Epigraphisches aus Steiermark und Krain

Im Auftrage der Direction des archaeologisch-epigraphischen
Seminares, welche sich diesbezüglich mit Herrn Professor O. Hirschfeld,
der für den im Erscheinen begriffenen Supplementband von C. I. L. III
die Sectionen Pannonia und Noricum redigiert; ins Einvernehmen gesetzt
hatte, bereiste ich im Monate September d. 1. J. das östliche Krain,
wobei ich auch einen Theil des angrenzenden Gebietes von Steiermark
berührte. Dieser Reise ging voran und folgte ein kurzer Aufenthalt
in Marburg (Steiermark), von wo aus ich gleichfalls einige Excurse in
die Umgebung unternahm. Im Folgenden erlaube ich mir die wesent-
licheren epigraphischen Ergebnisse meiner Reise vorzulegen.

Ich kann bei diesem Anlasse nicht umhin, in dankbarer Erinnerung
zu erwähnen, dass ich die Kenntnis fast aller hier zum erstenmale
edierten Inschriften, soweit sie nicht aus Marburg und Umgebung
stammen, der Güte des Gurkfelder Antiquars Herrn Bartholomäus
Pecnik verdanke, der mit ungewöhnlicher Localkunde ausgestattet und
über die Standorte aller in Betracht kommenden Denkmale aufs ge-
naueste unterrichtet, mich persönlich mit aufopfernder und unermüd-
licher Liebenswürdigkeit von Ort zu Ort geleitete und so mein Unter-
nehmen in der ausgiebigsten Weise förderte. Es sei mir gestattet, ihm
auch an dieser Stelle für seine gütigen Bemühungen meinen wärmsten
Dank auszusprechen.

1. Thürsturz eines sepulcralen Baues, aus einem einzigen Stücke
s. g. Bacherer Marmors bestehend, unten in flachem Bogen aus-
geschnitten; die Breite beträgt 1"9, die Höhe links und rechts an den
Enden 0*565, in der Mitte wird sie durch den Ausschnitt bis auf 0*41
vermindert; die Dicke schwankt zwischen 0*117 und 0*14. Das um
0*02 vertiefte Inschriftfeld ist von einer aus drei Leisten bestehenden
Umrahmung im Schema der tabula ansata umgeben; dasselbe ist
h. 0*285, br. 1*4. Die Höhe der theilweise arg beschädigten, schwach
eingehauenen und etwas ungleichmäßigen Buchstaben, welche sicher dem
Anfange des dritten Jahrhunderts angehören, ist Z. 1 0*055, sonst etwa
0*05, am Ende von Z. 4 ungefähr 0*03. Die durch den bogenförmigen
Ausschnitt einerseits und durch die tabula ansata andererseits abge-
grenzten Ecken links und rechts unten sind durch je einen Delphin
von schlechter Arbeit ausgefüllt. Gefunden im März 1887 zu Marburg
beim Baue des Wohnhauses des Herrn Anton Badl (oberhalb der
Lederfabrik des nämlichen in der Nähe der Drau) unter antiken Bau-
überresten, zugleich mit dem Fragment einer männlichen Porträtbüste
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