Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 14.1891

Seite: 95
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Die in der Abschrift zu Anfang von Z. 1 angedeuteten Spuren,
die von der nämlichen Hand zu sein scheinen wie die Inschrift selbst,
dürften von einer Inschrift herrühren, die der Steinmetz angefangen,
dann aber wieder getilgt hatte. Z. 3 in der Mitte ist eine alte Be-
schädigung des Steines wahrnehmbar, die sicher schon zur Zeit der
Verfertigung des Denkmals vorhanden war. Z. 5 las ich auf dem
Steine und den Abklatschen das obige und dachte daran, dass der
Z. 3 genannte Pet(ronius) Verianus etwa aput Etrurifam civ(itate) PisfJ
a[n]orum bestattet war; indessen hält es Herr Prof. Hirschfeld, dem
ich einen Abklatsch zuschickte, für wahrscheinlich, dass APVLEI(ae)
RVFlfnae obitae anjORVNi auf dem Steine steht.

17. Votivcippus mit Kelief aus grauem Kalkstein, unten abge-
brochen; die Gesammthöhe beträgt 0*89, die größte Breite 037, die
größte Dicke über 0*18. Das Denkmal besteht aus einem Aufsatze,
der sich in seiner Form einem Pyramidenstumpfe nähert (h. 0*2, breit
unten 0*345, oben 0*31) und an welchen sich das 0*38 hohe, 0*37 breite
Mittelstück mit dem Relief anschließt; an dieses setzt dann der abge-
brochene Untertheil, der einst die Weiheinschrift trug, mit einer größten
Höhe von 0*31 und einer Breite von 0345 an. Das Relief des mit
einem erhöhten Rande versehenen Mittelstückes zeigt in äußerst roher
Arbeit des dritten Jahrhunderts drei stehende Figuren in Vorderansicht,
und zwar links eine völlig bekleidete weibliche Gottheit (Diana) mit
der Mondsichel auf dem Haupte, in der Mitte eine unbekleidete männ-
liche Göttergestalt ohne erkennbare Attribute (nach ihrem Platze etwa
Iuppiter), rechts davon auf einem nach links fahrenden Wagen, der
durch ein Rad und durch die übereinander hervorsehenden Vorder-
theile von vier Thieren, welche mit ihren runden katzenähnlichen Köpfen
vielleicht Greife vorstellen sollen, recht ungeschickt angedeutet ist, den
Sonnengott mit Strahlenkranz und bis zu den Knieen reichendem Ge-
wände, in der erhobenen Rechten einen länglichen Gegenstand, wohl
die Geißel, haltend, den linken Arm wie zur Führung der Zügel ein-
gebogen ; wegen des von dem Rade und von der Strahlenkrone ein-
genommenen Raumes ist seine Gestalt weit kürzer und schmächtiger
gehalten als die der beiden andern Gottheiten. Der Cippus liegt bei der
s. g. herrschaftlichen Mühle zu Tschernembl unter den Steinen, aus
welchen die Mühlwehre gebaut ist, in der Nähe des Mühlganges und
musste erst von dem Moose, das sich darauf angesetzt hatte, gereinigt
werden.

Auf dem untern Theile, der ehemals von der Inschrift einge-
nommen wurde, lassen sich folgende Buchstabenreste der ersten Zeile
feststellen, die jedoch nicht so sehr auf dem Steine selbst, als auf der
Graphitdurchreibung einigermaßen sicher wahrnehmbar sind:
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