Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 14.1891

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20. C. I. L. III 3933 (vgl. Eph. epigr. IV S. 137 n. 468 und
A. Müllner 'Emona' S. 324 n. 265). Das interessante Mithraeum ist
im Walde oberhalb Rozanc (bei Tschernembl) in den natürlichen Kalk-
felsen eingehauen ; die Stelle ist so gewählt; dass die Felswände ringsum
zu einem Kreise zusammentreten, welcher etwa 30 bis 40 Personen
fassen dürfte und rechts und links vom Mithraeum, aber in einiger
Entfernung von demselben, durchbrochen ist, um einen bequemeren
Zugang zu gestatten. Die Höhe des Ganzen beträgt 1*7, die Breite 1*12.
Der Raum unter dem 0*37 hohen, 1*12 breiten Inschriftfelde, dessen
sorgfältig und tief eingehauene Buchstaben (hoch Z. 1 0*085, Z. 2 0*065,
Z. 3 0*06, Z. 4 0*05) sicherlich dem letzten Viertel des zweiten Jahrhun-
derts angehören, wird von dem Relief eingenommen, welches in keiner
Weise von dem gewöhnlichen Schema der Mithras-Darstellungen abweicht.
In der flach gehaltenen Mittelnische erblickt man Mithras auf dem
Stier, mit Skorpion, Schlange und Hund, welch' letzterer hier an dem
Fackelträger in der rechten Seitennische vorbeispringend dargestellt
ist und nur mit dem vorderen Theil seines Leibes in die mittlere
Nische hineinragt; in der linken größeren Seitennische ist der Genius
mit gesenkter Fackel, über ihm in einer kleineren Nische das Brust-
bild der Sonnengottheit dargestellt; in der rechten größeren Seiten-
nische befindet sich der Genius mit erhobener Fackel und über ihm
das Brustbild der Mondgöttin. Die oberhalb des Reliefs eingemeisselte,
sehr gut lesbare Inschrift hat folgenden Wortlaut:

D * I ' M

PvP.p^AELlI'NEPOS'TE
PROCVLVS-T'FIRMINVS
PROSAL^-SVA- SVORVMQJV?

D(eo) i(nvicto) M(ithrae) P(ublii) Aelii Nepos et Proculus et
Firminus pro salute sua suorumque,

Wien, Herbst 1890 A. v. PREMERSTEIN

Siebenbürgische Inschriften

Gelegentlich einer im August und September 1890 nach Sieben-
bürgen unternommenen Ferienreise ergab sich, abgesehen von dem
Neuen, das im Museum des archaeologisch-historischen Vereins zu Deva
untergebracht ist und von dort aus publiciert werden wird, eine kleine
Nachlese von neuerdings aufgefundenen oder in Folge der vorgenom-
menen Revision besser zu lesenden Inschriften, die ich hier niederlege.

Aichäologisch-epigraphische Mittheil. XIV 7
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