Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 14.1891

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10. C. I. L. V n. 904: M. Calventius T. f. Lern. Bon. mil. cho. VIII

pr.; milit. ann. VII, vixit ann. XX1IX.

11. und 12. Die beiden neuen Inschriften.

Aus cohors Villi:
13. C. I. L. V n. 918: Sex. Hostilius Sex. f. [TJro. Mansuetus Perusia

eq. coli. Villi pr. (centuria) Pudentis; vixit
ann. XX11X, mil. ann. X, h. s. est.*)

Es ist dies, verglichen mit den Funden in anderen Städten, eine
auffallend hohe Zahl, um so auffallender, als verschiedene Indicien sie,
zum mindesten in ihrer größten Mehrheit, Einer Periode zuweisen, der
Zeit vor Claudius: erstens fehlt hei 10 unter 14 Namen (n. 13 gehört
nach einer Mittheilung Professor Bormanns den Buchstabenformen nach
einer späteren Zeit an, etwa der des Vespasian) das Cognomen;2)
zweitens wird als Heimat bei 3 Mann Etrurien (Florentia (2?), Fae-
sulae), bei 2 Umbrien (Urvinum, Fanum Fortunae), bei 5 eine latinische
oder römische Colonie (Bononia (2), Cremona, Suessa Aurunca, Mutina)
angegeben, je einer stammt aus Neapel3) und Albintimilium4), es kommt
also weder ein Mann aus dem cisalpinischen Gallien noch ein Provinciale
vor. Seit Caius und Claudius treten Leute wenigstens des Polandes
stark unter den Prätorianern auf;5) drittens endlich darf nicht über-
sehen werden, dass nur ein Stein die Formel D • M aufweist.

*) Man vgl. auch C. I. L. V n. 748: Apollini Beleno Aug. sac. C. Petilius
Venustus trib. praetorian. v. s.; n. 952: M. Vocusius M. I. Crescem viv. fec. sib. et
Vocus. Veneriae coniug. optim. et Petronio Vocusiano fil. mil. coli. III praet. ann. X VIII
m. III dier. XIIX, siq. lianc ar. etc. Petronius ist wohl ein gebürtiger Aquileienser.

2) Vgl. 0. Hirschfelds Deduction in dieser Zeitschrift Bd. V S. 217 f., A.
v. Domaszewski ib. X S. 14 ff.

3) Mommsen Edict des Kaisers Claudius über das röm. Bürgerrecht der
Anauner vom Jahre 46 n. Chr. Hermes IV S. 118 Anm. 2.

4) 0. Bohn Über die Heimat der Praetorianer S. 4 C. Mettius (n. 1) ist auch
italischer Herkunft. Er gehört der Tribus Tromentina an. Dieser Tribus waren
nur italische und dalmatische Städte zugetheilt: Fabrateriae nova und vetus,
Aesernia, Vei, Aquae Statiellae, Perusia; Aequum, Epidaurum, Narona, Salonae (J.
W. Kubitschek Imperium Romanum tributim discriptum S. 272). Dalmatiner
kommen in der Kaisergarde erst viel später vor. Welcher unter den italischen
Städten wir Mettius zuzuschreiben haben, ist nicht zu entscheiden, da sowohl Aesernia
als Aquae Statiellae wie auch Perusia als Heimathstädte von Prätorianern bekannt
geworden sind. Ein L. Mettius L. f. kommt in C. I. L. V n. 7520 aus Aquae
Statiellae vor, doch ist Mettius ein viel zu häufiger Name, als dass man daraus
einen Schluss ziehen könnte.

5) Tacitus ann. 4, 5: tres urbanae, novem praetoriae cohortes, Etruria ferme
Umbriaque delectae aut vetere Latio et coloniis antiquitus Romanis. Mommsen a. a. 0.
S. 117 f.; Die Conscriptionsordnung der röm. Kaiserzeit Hermes XIX S. 52; Die
Gardetruppen der röm. Republik und der Kaiserzeit Hermes XIV S. 31; Bohn
a. a. 0. S. 4.
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