Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 14.1891

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Eine Erklärung dieser Erscheinung ist noch nicht versucht worden.
Die bei den vereinzelten Funden entsprechender Steine zulässigen
Annahmen, der betreffende Soldat sei während seines Urlaubs, bei einer
Mission o. dgl. vom Tode ereilt worden, befriedigen hier nicht.6) Die
nn. 2 und 6 (?) bezeichnen Kameraden als jene, die für die Errichtung
des Grabmals Sorge trugen. Dieser Umstand, sowie die Wiederkehr
bestimmter Cohorten (VI, VII, VIII) und derselbe Fundort von n. 3
(„Aquileiae ad S. Stephani in casa coloni Hentschel rep. a. 1873"),
n. 4 („Aquileiae rep. in atrio casae colonicae S. Stephani"), n. 7 („Aqui-
leiae rep. 1845 in via vetere ad S. Stephanum"), n. 8 (rep. cum n.
8274 = n. 3) und 11 und 12 (s. o.) lassen auf die gleichzeitige An-
wesenheit einer größeren Anzahl von Prätorianern in Aquileia schließen.
In größerer Anzahl können aber Angehörige der Kaisergarde nach
Aquileia nur in Begleitung eines Kaisers oder ausnahmsweise auch
eines Prinzen7) gekommen sein. Es ist uns nun für den oben aus den
Inschriften gewonnenen Zeitraum bezeugt der Aufenthalt in Aquileia von

1. Augustus. Sueton Aug. 20: Eeliqua (hello) per legatos ad-
ministravit, ut tarnen quibusdam Pannonicis atque Germanicis aut
interveniret aut non longe abesset, Ravennam vel Mediolanium vel
Aquilei am usque ab urbe progrediens, Josephus A. I. XVI §. 90 f.:
die; ur|T5 d(LieXüJv urrr3 ex TTporreTeiac; djuapTdvoi fHpuuönc;), Kpevrrov r)yr)GaTO

6) Vgl. z. B. E. E. VII n. 24 aus Arsch Zara in der provincia Byzaeena: Dis
man(ibus) sac{rum\ C. Tanusio Luppo militi cohortis XIIII Urbane stationis. „C. Tanusius
dum mandata quaedam exsequitur vel commentu ab urbe absens videtur in Africa
diem obisse", J. Schmidt.

7) In der Regel hatten Prinzen keine Prätorianerabtheilung bei sich. Das
geht aus Folgendem hervor. Tacitus berichtet ann. 3, 2: miserat duas praetorias
cohortes Caesar (Tiberius der Asche des Germanicus entgegen), addito ut magistratus
Galabriae Apulique et Campani suprema erga memoriam jilii sui munia fungerentur:
Sueton Caius 4: e Germania vero post compressam seditionem revertenti (Germanicus)
praetorianas cohortes universas prodisse obviam, quamvis pronuntiatum esset duae tantum
modo exirent. Es ist also eine Aufmerksamkeit, eine Auszeichnung, die Tiberius dem
Germanicus, dort dem todten, hier dem lebenden, erweist, wenn er ihm Theile seiner
Leibwache entgegensendet, und das konnte es nur sein, wenn Germanicus für ge-
wöhnlich keine Prätorianer bei sich hatte; auch bei Tacitus ann. 1, 24 erscheint die
Mitgabe von Prätorianern als eine durch die imminente Gefahr Tiberius abgerungene,
sonst nicht übliche Maßregel. Die von Tacitus ann. 2, 16 erwähnten Prätorianer-
cohorten (in der Schlacht bei Idisiaviso . . . dein quattuor legiones et cum duabus
praetoriis coliortibus ac delecto equite Caesar [Germanicus] . . .) sind keine Cohorten
der Kaisergarde, sondern die aus der Republik beibehaltene „cohors praetoria" des
Feldherrn, denn damals befanden sich, wie Sueton Caius 4 ausdrücklich bezeugt,
sämmtliche Prätorianercohorten in Rom. Vgl. Arrian sxt. x«r5 ^Alav&v 22; Josephus
B. I. 3, 5, 5; 3, 6, 2; Strabo 17, 53; Sueton Galba 10. Dagegen scheinen den Kaiserinnen
Prätorianerabtheilungen zur Verfügung gestanden zu sein, Sueton Nero 34.
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