Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 14.1891

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Römerfunde aus Klosterneuburg

Bei den diesjährigen Renovierungsarbeiten am Klosterneuburger
Dom wurden aus der im 12. Jahrhundert erbauten Abschlussmauer der
Apsis auch zwei Werkstücke gezogen, die Bruchstücke römischer Grab-
steine bilden. Beide, sowie die gleichzeitig im Mauerwerke entdeckten
Ziegel römischen Ursprungs hat der Klosterneuburger Chorherr, Prof.
Karl Drexler, Correspondent der k. k. Centralcommission für Kunst-
und historische Denkmale, in seine Obhut genommen; er gestattete
mir, Abklatsche und Abschriften zu nehmen und stellte mir nach-
träglich seine eigenen photographischen Aufnahmen beider Inschriften
zur Verfügung; ich erfülle eine angenehme Pflicht, indem ich ihm für
seine freundlichen Bemühungen meinen Dank hier ausspreche.

Die erste der beiden Grabschriften steht auf einem harten, gelb-
lichgrauen Sandsteine, dessen Oberfläche vielfach stark zerstört ist.
Die unschönen Buchstaben gehören etwa der letzten Hälfte des zweiten
Jahrhunderts an und sind in den verschiedenen Zeilen ungleich groß
(Zeile 1: 3 cm, Zeile 8: 4 cm) und mitunter ungleich tief eingegraben.
Die rothe Farbe, mit der sie ausgezogen waren, hat sich meist sehr
gut erhalten. Das Inschriftfeld war von Randleisten begrenzt, wie aus
den 1. und noch besser aus den r. erhaltenen Spuren hervorgeht. Das
(Juli 1890 gefundene) Fragment misst 0*41 X 0*32 X 0*32.

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Die Punkte nach L in Z. 2 und nach S in Z. 3, sowie den Quer-
strich in AA Z. 4 und in L (FLL) Z. 6 habe ich bloß aus den Farb-
spuren in meine Abschrift aufgenommen. Der erste Buchstabe in Z. 8
kann F, E oder, was mir am wahrscheinlichsten war, S gewesen sein.
Ich möchte etwa lesen: . . . .iano, an(no) [1?J, T. Ael(ius) Ser(giaf)
U[r] sinus (f), eq(ues), eft] U[ljp(ia?) Max. . . . parfejnftjes filis pin-
tissimis fp(ro) s(ua)] jo(ietate). In Z. 5 f. stand wohl PARENES.

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