Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 14.1891

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Rundwerk in dieser Reihe und durch seine vortreffliche Erhaltung
wichtig ist. Sie nimmt durch ihr Beiwerk eine Mittelstellung ein
zwischen den Votivreliefen von Nimes und Marseille. Die Vorderseite
der eigenartigen Hülle, welche nach vorderasiatischer Weise (Stud-
niczka S. 60, 3) den Leib des Idols eng und faltenlos bis zur halben
Wade umsckfießt, ist auf dem Monumente von Nimes mit 7 Reihen
von je 2 Rosetten verziert, deren regelmäßige Folge nur einmal durch
eine Knospe auf ihrem Stengel unterbrochen ist: auf derselben Seite
erscheinen am Relief des musee Calvet 6 Büsten in 3 Reihen, in der
Mitte durch eine Herme getrennt. Unsere Statuette vereinigt beide
Arten der Verzierung, indem 3 Büsten und unter ihnen 2 Rosetten-
streifen verwendet sind. Die oberste Büste auf der Brust mit bärtigem
Kopf (s. oben) hat das Obergewand über den Kopf gelegt, welches rechts
an der Schulter, links quer über die Brust herabfällt. Der Kopf links
scheint unbärtig, jedenfalls ist er männlich und mit einem Strahlen-
nimbus umgeben. Der Kopf rechts ist, wie die Haartracht beweist,
weiblich. — Über den Sinn, welchen man mit der Anbringung dieser
Büsten verband, klärt uns das Marseiller Relief auf. Die hermenartige
Figur mit unbärtigem Kopf und Kalathos wiederholt im Kleinen die
charakteristischen Formen des großen Idols, auf dessen Vorderseite sie
angebracht ist. Sie unterscheidet sich nur dadurch von jenem, dass
sie auf einem Löwen fußt, dessen Kopf unten in Vorderansicht er-
scheint, während jener zwischen 2 Stieren steht. Wir haben also an
die auf Löwen stehende, weibliche Grottheit Syriens und Vorderasiens
zu denken, wie sie nach der Schrift de dea Syria (c. 31; vgl. Lenormant
S. 80, Drexler S. 1990) z. B. neben dem Cultbilde der auf Stieren
stehenden, männlichen Gottheit in Hierapolis verehrt wurde. Somit
sind wir berechtigt, in diesem Beiwerke die Oeoi öuvvaoi zu erkennen.
In dem oben angeführten Tractate (c. 34 ff.), dessen thatsächliche An-
gaben trotz des sophistischen Aufputzes zuverlässig sind4), werden aus
dem Tempel in Hierapolis eine Anzahl derselben angeführt und wir
werden sie auch für den glänzenden Tempel in Heliopolis, welchen
Antoninus Pius aufrichtete (Io. Malalas XI p. 280 Dind.), annehmen
dürfen. Das Relief, wie die Statuette boten also dem Gläubigen neben

4) Vgl. zu der Angabe über die Weihung des Haares (c. 60) die Inschriften
bull, de corr. hellen. XII (1888) S. 479—490 und XIV (1890) S. 370—372. Die
Stelle über das Klettern (c. 29) setze ich hieher, weil sie ein antikes Zeugniss für
den Rom. Mitth. V (1890) S. 157—160 besprochenen Brauch ist: ?/ $& ol ävoäog
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