Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 14.1891

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Aesculapii Epidauri barbam auream demere iussit. Denn diese führen
in die Zeit vor 367, das Todesjahr des Dionysios. Noch genauer
könnte man aus denselben schließen, dass das Bild schon 369 aufge-
stellt war, als ein Hilfscorps des syrakusanischen Tyrannen auf dem
Isthmos erschien (U. Köhler Ath. Mitth. I (1876) S. 13 f.). Doch
hat man, ich glaube mit Recht, auf diese Nachricht kein Gewicht ge-
legt, da sie in der sehr verdächtigen Gesellschaft einer ganzen Anzahl
von „Räubergeschichten" über Dionysios von Syrakus steht.7)

Dieses Schwanken hat jetzt ein Ende. Thrasymedes gehört in
das vierte Jahrhundert. Unsere Inschrift setzen Kabbadias (eqp. dpx-
1886 S. 168) und Baunack (S. 25) in „die erste nach-Euklidische Zeit."
Foucart macht (S. 592) mit Recht auf das Unsichere dieser Zeitbe-
stimmung aufmerksam und zeigt, von der Erwähnung des Timotheos
ausgehend, dass die Inschrift frühestens 375—360 anzusetzen ist. Da-
mals war also der Tempel mit seinem gesammten, plastisch-decorativen
Schmucke fertig. Über das Goldelfenbeinbild enthält die Baurechnung,
welche uns vorliegt, keine Angabe: gerade wie in Athen über die
chryselephantine Statue der Parthenos in besonderen Abrechnungen
gehandelt wird (zusammengestellt von IL Lolling 'EKorrouTrebov 1890
S. 34 des S. A.). Es ist naheliegend, dass es erst nach der Voll-
endung der Bildhauerarbeiten in Epidauros, wie in Olympia, in der
„Werkstätte" (tö ep"faö"Tripiov Z. 32 ff.) hergestellt worden ist. Somit
können wir das Werk des Thrasymedes um die Mitte des vierten Jahr-
hunderts ansetzen, um dieselbe Zeit, für welche uns die Nachricht
über Damophon (Paus. IV, 31, 6) Kenntnis und Übung der Goldelfen-
beintechnik im Peloponnes bezeugt.8)

Doch ich glaube, dass wir mit Sicherheit noch einen Schritt'
weiter gehen können. Z. 45 f. unserer Inschrift wird ein Opacruur|ör|c;
erwähnt, der für 9800 Dr. —■ es ist dies der größte Betrag, welcher
in der Abrechnung vorkommt das Dach, die ITauptthüre in den
Tempel und die Thüre zwischen den Säulen in antis herzustellen über-
nimmt. Leider ist kein Ethnikon hinzugefügt — es erscheint über-
haupt nur bis Z. 30 — und die Form des Namens derart, dass aus

7) So hat Overbeck die ebenda stehende Geschichte von dem aureum amiculum
lovis Olyrapii, welches Dionysios geraubt habe, in die „Schriftquellen" nicht aufge-
nommen.— In der Inschrift aus Kalymna bei E.-Löwy n. 467 (nach Ross: 3. Jahrh.;
nach Kaibel Epigr. Gr. n. 778: 3—2. Jahrh.) ist m. E. von einem Künstler Thrasy-
medes die Rede; ob von unserem, muss zweifelhaft bleiben. Mit der Erwähnung
eines <pQa6'«/ew^s* (©(xxtfi^rfyg- Welcker) in Cramer Anecd. Oxon. III p. 224 (vgl.
H. Brunn Gesch. d. gr. Künstler I S. 621) ist nichts anzufangen.

8) Ein Damophon, seines Zeichens vermuthlich ein Steinmetz, wird in unserer
Inschrift Z. 67 erwähnt.

Archäologisch-epigraphische Mittheil. XIV 9
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