Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 14.1891

Seite: 138
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oder Claudia verstanden wurden. War es wünschenswerth, die tribules
tribus Fabiae kurz mit einem Worte zu bezeichnen (und wer sollte
daran zweifeln, dass dieses Bedürfnis sich thatsächlich und frühzeitig
eingestellt hat?), dann musste ein neues Denominativum aus dem
Tribusnamen gebildet werden; man kam auf die Fabiani (Sueton
Octav. 40), ebenso auf Voltinienses (Cicero pro Plane. 17, 43) und
Scajptienses (Sueton a. a. O.); man sprach auch von einem Pupiniensis
ager (Livius 9, 41, 10), d. h. doch wohl vom Gebiete der Tribus Pupinia,
die aus dem ager PujpiniusG) so hervorgegangen sein mochte, wie die
Tribus Claudia aus dem Ackerlande der gens Claudia, dass also der ager
Pupinius den hauptsächlichsten Theil des ager Pupiniensis bilden mochte.

Wie viel bei den anderen nicht gentilicisch gebildeten Tribus-
namen der ersten Declination die Analogie jener in gentilicischer Form
entstandenen beigetragen, und wie weit die Collusion praeoccupierender
Bedeutungen die Derivation neuer Adjectiva zur Bezeichnung der Zu-
gehörigkeit zu solchen Tribus (hieher gehören die Teretinates Festus 363)
gefördert hat, las st sich kaum überblicken. Aber erwähnen will ich
wenigstens, dass es mir unglaublich erscheint, dass sich ein Tribule der
Quirina als Quirinus1) oder eine Anzahl resp. die Gesammtheit derselben
als Quirini gerieren konnte; überhaupt besaßen auch die adjectivischen,
nicht gentilicischen Namen, deren Femininformen zur Benennung der
Tribus verwendet wurden, theilweise schon früher eine fest ausgeprägte
und dazu wohl in weiten Kreisen bekannte Bedeutung.

werden oder stehen: C. I. L. II 5076 C. Feigus L. f. Scaptianus///////[ (Sc. dürfte
Cognomen sein); C. I. L. VIII 1687 F Castromus C. f. Qirinus Veras; C. L L. II 2828
C.L. Terentio Paterno Eburanco Tili f. Quirinali et Terentie Patente, f(iliae), an(norum)
XVII Terentia Auc[t]a (Hübner behält das überlieferte Ancid) marito pientisumo
(—ss— Hübner)/. c.', wo ich aus Quirinali q_v i rin • n • l i herstellen möchte, während
Hübner mit der Möglichkeit rechnet, dass die alte Copie dieses Steines (Loperraez,
vor 1788) aus qj/ir- unberechtigter Weise jene Deutung und Lesung geschaffen
habe. In E. E. II 700 p • a e l • c c] [| l i n a r i | |] m i l • l e g n \ u. s. w. lässt sich die
Breite der Zeilen gar nicht bestimmen und wir sind gewiss nicht genöthigt, Co[l]-
linaris zu lesen, und wären wir es, so müssten wir doch in diesem Worte zunächst
ein Cognomen sehen. Endlich C. I. L. III 5780 sind wohl in Sercial(is) wie in
Aelianus und in Vindelica Tribus und Namen des römischen Municipiums Augsburg
zu Cognomina von Vater und Tochter benutzt.

6) Die Belegstellen habe ich a. a. O. S. 10 ff. zusammengetragen.

7) Dass in späterer Zeit Quirinus sowie etwa Mercurius oder ein anderer
Göttername als menschliches Cognomen erscheint, spricht gegen meine Meinung
nicht im geringsten. (Es wäre übrigens sehr zu wünschen, dass die Ausbreitung
der Verwendung von Götternamen als Cognomina der späteren Römer oder Griechen
constatiert und untersucht werde.) — Es kommt wohl einmal ein P. Castronius C. f.
Qirinus Verus C. I. L. VIII 1687 vor; aber es ist die Frage, ob dort der Copie (Borgia)
mehr zu trauen ist als etwa Strada (f 1588) oder Bibran (1602/5), die C. I. L. II 1054
resp. 1597 aus QJ/ir- einen Qvirinvs fälschten.
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