Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 14.1891

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Ganz anders lag die Sache aber bei den beiden Tribusnamen
der dritten Declination, Arnensis (seit 387 v. Chr.) und Aniensis (nach
318 v. Chr.), bei denen nichts gehindert zu haben scheint, dass durch
sie ebensowohl die Tribus selbst als die Zugehörigkeit zu derselben
bezeichnet werde. Beide Namen schienen mit Voltiniensis, Scaptiensis,
Pupiniensis auf einer Bildungsstufe zu stehen, und das sicherte ihnen
die Fortdauer ihrer adjectivischen Verwendung, während die Tribus-
namen auf — a selbständige Bedeutung gewannen, also durchaus als
Substantiva anerkannt wurden. Dieser Process muss bereits vollzogen
gewesen sein, als es üblich wurde, die Tribus im Namenscomplex
zu führen; der Tribule der Voltinia nahm diesen Namen im Ablativ
dahin und konnte daneben in nicht officieller Art als Voliiniensis
bezeichnet werden; für einen Arnensis aber schien die erstere Art der
Benennung undurchführbar, wohl eben weil, wie gesagt, Arnensis ebenso
als ein secundäres Derivatum angesehen wurde wie Voltiniensis.

Ich habe hiemit in Kürze den Gedankengang wiederholt, der
mich dazu geführt hat, in den Tribusnamen der dritten Declination,
wie sie uns in den Namenscomplexen der Inschriften entgegentreten,
adjectivische Worte zu sehen, und hoffe, dass dieser Versuch nicht
von vorneherein als problematisch bezeichnet werden muss. War er
aber berechtigt, dann mussten beide Tribusnamen in den Inschriften
zugleich mit den tria nomina declinieren, also im selben Casus wie
diese erscheinen. Zu dieser Probe will ich daher das Material, das
mir soeben zur Verfügung steht, ganz vorführen.

1. Der Namenscomplex steht im Nominativ, daher auch die ad-
jectivischen Tribusnamen der dritten Declination :

C. I. L. II 105 G. Blossins Saturninus Galeria Napolitanus Afer

Areniensis.*)

III 446 C. Reius C. fil. Aniensis Priscus domo Cartagin(e).
III 4247 M. Vibius C. f. Aniesis.

V 939 L. Valerius L. f. Aniensis Verc(ellis).

V 4478 C. Sillenus C. f. Serenianus Anniensis.-j)

VI 2608 P. Fabricius P. f. Aniensis Sabinas Blere.10)

VI 2707 C. Frentinas C. f. Amiensis (so überliefert, die

Herausgeber haben, m. E. mit Unrecht, Amiens[i]

vermuthet) Crescens Clusi.
VII 48 C. Murrias C. f. Amiensis Foro Iuli Modestus.

8) Man beachte, dass Galerien und Areniensis neben einander stehen.

9) Vorausgesetzt, dass Anniensis nicht etwa Cognomen ist.

10) Hier und in der folgenden Inschrift steht allerdings die origo im Genitiv,
doch möchte ich hierin kein Präjudiz für den Tribusnamen sehen; vgl. die anderen
Fälle mit Heimatsangabe,
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