Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 14.1891

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Die Vorderseite des Steines zeigt die Form einer Aedicula; im
Giebel schreiten von r. und 1. Tauben mit Zweigen im Schnabel auf
eine mit einer Binde geschmückte Maske oder Büste zu; in den Zwickeln
über dem Giebeldreieck sind Delphine, im Fries irgendwelche Thiere
(Greife?); in dem von corinthischen Säulen eingeschlossenen Haupt-
felde die Inschrift:

Mar cvs
s v l p i c i v s

vep:itta:mill
leg: XTlT . g: m : v.
5 an ? XXX . h : s :
heres.marc:

v l p iv s
avgvstins
f a : c v r :

Dieser und noch ander Stein die aber nit so wohl zu lesen
findt man unter der Erde3.

Z. 3 ist etwa Vepitta als Cognomen zu lesen2); danach stand wahr-
scheinlich m i l e ohne s , oder es stand das s , und zwar, da kein Bruch
angedeutet wird, auf der Randleiste und wurde dort vom Copisten
übersehen; so kann auch Z. 5 nach h-s- noch e und Z. 6 vs nach
marc ebendaselbst gestanden haben; Z. 8 stand vielleicht avgvstin^s.
Z. 4 steht XIII statt XIIII wohl in Folge eines Versehens, das in der
Transscription aber nicht wiederkehrt. Der Herausgeber hat Z. 3 ff.
nicht verstanden, wie sein Erklärungsversuch zeigt: ueponius ittalus
millesimus Legiones XIIII Galicane miles uixit ano XXX.

Ich glaube, auch dieser Stein ist wie die große Masse der car-
nuntinischen Militär-Grabdenkmäler bei Petronell gefunden worden;
wenigstens meine ich mit auf diesen Stein beziehen zu dürfen, was
der Verfasser im Texte S. 14a von der Umgebung des Heidenthores
sagt: umb welche Revier man täglich in Erbawung der Erden findet
allerhand Heydnische Müntzen von unterschiedlichen Metallen, auch
etliche Grabstein der alten Keyser und Kriegs-Obristen, welche allda
gewohnet, auch durch Krieg geblieben, diß alles ist gar deutlich in
vorgehenden Abrissen deß Schlosses und der Herrschafft Petronell
zu sehen'.

J. WILH. KUBITSCHEK

2) Ob derselbe Stamm wie in Vepo C. I. L. III 5232 (Celeia) und Vepotalus
5350 (Solva)?
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