Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 14.1891

Seite: 167
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Durch die bisher ausgeführten Arbeiten ist das Amphitheater
bis auf einen kleinen Theil zunächst dem Westeingange, welcher der
Erforschung nicht zugeführt werden konnte, vollständig aufgedeckt.

Meine weitere Aufgabe war nun die Straße bloszulegen, welche
vom Lager an der Südseite des Theaters vorbei gegen das heutige
Altenburg führte. Ich hatte a. a. O. auf Seite 156 eine Planskizze
der Lage des Amphitheaters in Bezug zu jener des Lagers gegeben
und hierbei auch den Straßenzug angedeutet; der sich im Frühjahre
1888 ganz deutlich in der lichteren Färbung der jungen Saat zu er-
kennen gab. Die Ausgrabung des Jahres 1890 hat nun auch, der Ver-
muthung entsprechend, die Straße zunächst unserem Gebäude blos-
gelegt. Aus dem Plane (S. 163) ist zu entnehmen; wie sich dieselbe
in westöstlicher Richtung etwas divergierend mit der Langachse des
Amphitheaters an der sog. Kaiserloge vorbeizieht. Wir fanden zwar
kein Steinpflaster mehr; aber eine durchweg aus festgestampftem
Kieselschotter bestehende Straßenunterlage, die an der Südseite von
einer circa 50 Centimeter hohen; der Länge der Straße sich hinziehen-
den Mauer begrenzt war. Dass wir es hier thatsächlich mit der Straße
zu thun haben; kann nach dem Charakter des verwendeten Materiales
und seiner festen Fügung gar keinem Zweifel unterliegen; die geringe
Tiefe derselben unter dem gegenwärtigen Ackerniveau? ließ sie ja
auch weit hin gegen Altenburg einerseits und dem Lager andererseits,
wie oben erwähnt wurde, in der jungen Saat verfolgen. Zwischen
der Straße und dem Amphitheater führte die Grabung auf die Funda-
mentmauern sehr flüchtig ausgeführter an die äußere Theatermauer
sich anschließender Baulichkeiten, über deren Bestimmung ich Mangels
aller Anhaltspunkte keine Vermuthung aussprechen kann. Andere
Mauerreste, zum Theile auch mit Hypokausten; wurden an der Südost-
und Nordostseite des Amphitheaters aufgedeckt; von diesen lassen die
letzteren nach weiterer Bloslegung eine größere; besser erhaltene An-
lage an dieser Stelle erwarten.

Endlich muss noch erwähnt werden; dass der Canal; welcher von
der Mitte der Arena zur Donau führte, noch außerhalb der äußeren
Umfassungsmauer des Amphitheaters in einer Tiefe von 4 Meter ver-
folgt werden konnte.

Wien, Januar 1891 ALOIS HAUSER
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