Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 14.1891

Seite: 168
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Die römische Niederlassung bei Szamos-Ujvär

Motto: „Und so wird es einem denn doch wunderbar zu Muthe,
dass uns, indem wir bemüht sind, einen Begriff' des
Alterthums zu erwerben, nur Ruinen entgegenstehen,
aus denen man sich nun wieder das kümmerlich aufzu-
erbauen hätte, wovon man noch keinen Begriff hat."

Goethe, Italiänische Reise.

Die Uberreste der römischen Niederlassung in der Nähe von
Szamos-Ujvar, die früher vielfach für Napoca gehalten wurden —■ seit
der Darlegung Mommsens C. I. L. III ist die Frage der Lage Napocas
für Klausenburg entschieden — bestehen in Folgendem:

1. in dem Lager selbst. Dasselbe liegt vom südlichen Stadt-
ausgange 1 km entfernt in südwestlicher Richtung unter 47° V 20"
n. Br. und 41° 33' 20" ö. L. von Ferro auf einer das Umterrain um
2 m überhöhenden, gegen Norden und Osten sich sanft abdachenden
Ebene, welche gegenwärtig u. zw. seit dem Jahre 1809, wo der vom
kleinen Szamos abgehende Mühlgraben ausgehoben und das Uber-
schusswasser des letzteren bei seinem Beginne und bei der Mühle in
zwei neue Bette geleitet wurde, eine Insel bildet.

Seine Lage und Gestalt ist nach der Specialkarte des k. und k.
militär-geographischen Institutes Z. 17 Col. XXX leicht zu fixieren,
wenn parallel zu dem westlichen der dort mit Cote 257 bezeichneten
zwei Gebäude, welche aber in Wirklichkeit nicht existieren, sondern
die sichtbare Stelle eines hier vormals bestandenen römischen Gebäudes
andeuten Qi des Planes auf Seite 169), in der Entfernung von 56 m
eine 116 m lange Linie mit ihrer Mitte senkrecht auf den Zwischen-
raum jener beiden graphischen Zeichen aufgetragen wird, an welche
sich sodann folgende Ausmaße unter rechten Winkeln anzuschließen
haben u. zw. rechts 150 m, links 56 m, gegenüber 124 m, endlich
als Abschluss gegen den neugebildeten (östlichen) Szamosarm zu: 92 m,
verbunden mit jener von 56 m durch eine 30 m lange Linie unter
einem Winkel von 120°.

Die sich so ergebende auffallende sechseckige Gestalt des Lagers

suchte Neigebaur (Dacien u. s. w. S. 231) mit Terrainhindernissen zu
erklären, welche aber weder gegenwärtig sichtbar sind, noch auch —
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