Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 14.1891

Seite: 170
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an den Ecken von Bastionen vernmthet werden kann, deren Material
sowie das der anderen Baulichkeiten theilweise schon im Jahre 1539
von Georg Martinuzzi zum Bau der Feste, jetzigen Strafanstalt, in noch
größerem Maße aber von den Vorfahren der heutigen Bewohner der
Stadt zum Bau ihrer ersten Häuser insbesondere der Pfarrkirche in
den Jahren 1720—1759, endlich zu Anfang dieses Jahrhunderts für
das Institutum Karacsonyianum, ein Armenversorgungshaus und Spital,
verwendet wurde.

Weniger zerstört sind die beiden anderen Flanken, welche aber
wegen ihrer von der Angriffsseite abgewendeten Lage mit solchen Ver-
theidigungsbauten nicht versehen gewesen sein und daher keinen Anlass
zur Gewinnung von Baumaterial gegeben haben dürften. Hier lässt
sich die Breite des mit Erde und Gras bedeckten Mauerwerkes noch
auf 1*5 m bestimmen; dort ist sie wegen der bei den Ausgrabungen
stattgefundenen Verbreitung der Erde nach außen und innen kaum
mehr zu erkennen.

Eine Böschung nach innen ist nur auf der Ostseite, wohin das
Terrain am sichtlichsten abfällt, vorhanden und deutet darauf hin, dass
hier die Mauer ihre größte Höhe gehabt habe. Diese Anschüttung ist
nothwendig gewesen, um die Schussscharten benützen zu können, mit
welchen die Zinnen der Thore und Mauern der römischen Befestigungen,
wie dies u. a. in Pompeji nachgewiesen, versehen waren. Außere
Böschungen sind nur auf der Ost- und Nordseite vorhanden. An beiden
überhöht die Krone das Terrain um 1*5 m; auf der dem neugebildeten
Szamosarme zugekehrten Seite aber, hier also wahrscheinlich in Folge
der Erosion, um 3*5 m.

Dieser Umstand lässt darauf schließen, dass das Lager bis noch
vor 80 Jahren, d. i. bis zur Aushebung des Mühlgrabens und der
dadurch erfolgten Bildung des Szamosarmes — eine im Stadtarchive
vorhandene, aus Anlass einer Gebiets Streitigkeit mit dem benachbarten
Hesdat verfasste Karte vom Jahre 1800 weist nur den westlichen
Szamosarm in seiner beiläufig gegenwärtigen Gestaltung auf — eine
größere Ausdehnung nach Westen gehabt habe, wie denn auch Dr
Neigebaur im Jahre 1847 die „längs des Mühlgrabens hin gehende
Länge" desselben noch mit 200 (statt der gegenwärtigen 166) Schritten
angegeben hat, ein Umstand, welcher mir auch von einer aus schatz-
gräberischer Absicht mit dieser Gegend sehr vertrauten Persönlichkeit
bestätigt wurde.

Der Flächeninhalt beträgt demgemäß nur 2 Aa; es hätte also,
den heutigen Maßstab von 1 ha als Lagerraum für eine Eskadron
angewendet, in demselben nur die Hälfte der nach dem Zeugnisse von
an Ort und Stelle zahlreich gefundenen Pflasterziegeln mit dem Stempel
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