Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 14.1891

Seite: 171
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AHP hier in Garnison gewesenen ala IIPannoniorum1) untergebracht
sein können oder sie muss einen geringeren als den systemisierten
Stand von 500 Pferden gehabt haben, wie dies auch Karl Torma von
der zu Ilosva dislocierten ala I Tungrorum Frontoniana in Beziehung
auf das dortige in seinen Umrissen intakte Standlager von 3*8 ha
behauptet (s. Jahrb. d. Siebenbürg. Museumvereines III (1864) S. 64).

Was die Orientierung des Lagers betrifft, so sind seine noch von
Neigebaur mit 200x gemessenen Längenseiten nach N. bezw. S. ge-
richtet und die 28x lange Ausgrabung2) in der Mitte der ersteren,
welcher die bereits oben erwähnte Stelle eines Gebäudes in der Ent-
fernung von 75x, noch heute im Volksmunde „kapu" (Thor) genannt,
vorgelagert ist, lässt auf das einstmalige Hiervorhandensein der porta
praetoria schließen, wonach die übrigen portae in der an den römischen
Lagern üblichen Weise anzunehmen sind. Wenigstens über das Vor-
handensein der porta decumana in der Südflanke, aus welcher der
Weg auf den ager publicus führte, kann kein Zweifel obwalten, denn
die übrigen Baustellen befinden sich in dieser Richtung zum Lager.

Diese sind:

2. In der Entfernung von 250* von der Mitte der Südflanke
(f des Planes) die Stelle des Bades, die unzweifelhaft durch die hier
aufgefundenen Wärmeleitungsröhren und noch jetzt in großen Stücken
auffindbaren Überreste des aus verkleinerten Ziegelstücken und Kalk
bestehenden steinharten Mörtels als Estrich der Feuerstelle für die
Warmbäder, sowie die dazwischen vorkommenden Holzkohlen-Uberreste
constatiert ist. Die gegenwärtigen Ausmaße dieser viereckigen, den
Angaben des Vitruvius entsprechend nach SW. situierten Baustelle
betragen an der dem neuen Szamosarme zugekehrten und der dieser
gegenüber liegenden Seite je 10, an den darauf senkrechten je 6 m.

Es ist klar, dass diese Baustelle nicht das ganze ehemalige Bade-
haus, sondern nur dessen nördliches Ende andeutet, während seine jetzt
unbestimmbare Fortsetzung in dem Räume gelegen war, der behufs
Bildung des oberen Theiles des östlichen Szamosarmes zur Speisung
des Mühlgrabens vor 80 Jahren ausgehoben wurde.3)

x) Vgl. C. I. L. III S. 166 n. 1633.

2) Die Länge dieser Ausgrabung ist ungefähr gleich der des in Ilosva auf-
gedeckten Thores; s. Karl Torma's mehrerwähnte Abhandlung S. 14.

3) Nach Neigebaur stiel] man bei dieser Gelegenheit auf ein großes irdenes,
mit Knochen angefülltes Gefäß, und im Volksmunde hat sich die Überlieferung
erhalten, dass die zu dieser Erdaushebung verwendeten Metzenseifener Arbeiter in
der letzten Nacht vor der Vollendung des oberen Durchstiches des Mühlgrabens mit
Hinterlassung ihrer Kochgeräthschaften und unter stillschweigender Verzichtleistung
auf ihren letztlich fälligen Arbeitslohn den Ort verließen, was zu der Vermuthung
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