Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 14.1891

Seite: 177
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lieber auf den näher gelegenen, in diesem Falle verniuthlich nicht zu
gleicher Zeit von demselben umspülten Höhen oberhalb des Keröer
Bades angelegt haben würden.

Im Gegentheil deutet die zum eigentlichen Flusslaufe — immer
abgesehen von dem erst seit 80 Jahren durch die Aushebung des Mühl-
grabens neuentstandenen östlichen Arme — parallele Lage der Nord-
und Westflanke des Standlagers auf die beiläufige Identität seiner
jetzigen Gestaltung mit jener zur Zeit der Kömer hin, welche dadurch
in der Richtung ihrer Occupation gegen N. und NW. ein Annäherungs-
hindernis für feindliche Uberfälle fanden.

Hiefür sprechen auch die Spuren der römischen Straße, welche
die Colonie Napoca (Klausenburg) über das hiesige Standlager mit
dem Norden des Landes verband und deren Zug von Karl Torma in
limes dacicus S. 117 folgendermaßen angegeben wird: „Einzelne Theile
derselben zeigen sich unterhalb Dengeleg, in der Nähe des Castrum
stativum von Szamos-Ujvar aber an jener Stelle, wo unterhalb des
Szeplaker Berges links von der aus der (gegenwärtig auch schon
wieder aufgelassenen) Chaussee nach Szamos-Ujvar abzweigenden
Straße die Gebäude der sogenannten Gajzago, von Rechtswegen aber
zum Besitze der Erben des Ladislaus Makray gehörigen tanya stehen.
Von hier kann man stellenweise ihre Richtung bis zu dem bei Dees
unterhalb der Nordseite des Rözsahegy befindlichen sogenannten Eisern-
thor-Pass erkennen."

Hiernach übersetzte die römische Straße den Fluss in der Nähe
des Castrums zweimal und zwar südlich von demselben vom linken
auf das rechte Ufer beiläufig in der Höhe des sogenannten vader
Wirthshauses, und das zweitemal nördlich, von demselben vom rechten
auf das linke Ufer an der bereits oben genannten tanya vorüber,6)
um sodann, in der weiteren Führung zunächst des Flussufers durch
die Steilabfälle des städtischen Lunka- (in der Specialkarte irrthüm-
lich Gorbak) Wäldchens gehindert, ihre Fortsetzung über die Szeplaker
Höhen, in welch letzterem Theile ihr auch bis vor 2 Jahren die Chaussee
folgte, zu nehmen.

Dieser zweimalige Ufer Wechsel hätte nicht stattfinden können,
wenn der kleine Szamos schon zur Römerzeit in dem gegenwärtig

6) Die Schedius'sche Karte von Ungarn vom Jahre 1833 —1838 kennt die
gegenwärtig auch schon wieder aufgelassene Chausseestrecke vom Keröer Bade bis
zum Abhänge der Szeplaker Höhen im Nordwesten der Stadt nicht, sondern lässt
die Chaussee den Fluss ganz in der oben angegebenen Weise zweimal übersetzen.
Auch hat sich die Uberlieferung erhalten, dass der Fluss in früherer Zeit sein Bett
unmittelbar am Fusse der Keröer Höhen gehabt habe, wodurch also für die Straße
die Notwendigkeit des zweimaligen Uferwechsels bedingt war.

Archäologisch-epigraphische Mittheil. XIV 12
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