Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

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Einfach durch Interpretation erledigt sich eine bisher nicht be-
hobene Schwierigkeit in der von Schliemann llios S. 704 f. mitgetheilten
Inschrift aus Ilion ? einem Verzeichnisse von Personen, welche von
Prytanen oder vouoqpuXcxKec; zu einer Geldbuße verurtheilt die Straf-
summe, je zwei Statere, schuldeten. Im Eingange der Inschrift haben
sich die Beamten, welche die Urkunde ausstellten, namentlich genannt
(für KAMEN AXOZ Z. 2 wird doch wohl KAAAIM AXOI zu lesen
sein), darauf folgt das Verzeichnis der Verurtheilten beginnend Z. 3 f.
'EpyöcpiXov TTATPOXOY |j XPHMATIIZH e£nuiuuuevov imö xüuv
TTpuTdvewv kt\. . Das Räthsel der achtzehn Zeichen hat der Heraus-
geber nicht zu lösen vermocht. An der Stelle kann, wie der Vergleich
mit den übrigen Posten lehrt, nur der Vatersname erwartet werden
oder eine diesen ersetzende Bemerkung. Eine solche glaube ich zu
finden, wenn ich lese 'EpyocpiXov ircrrpöc; oi) xPnuaTiöZri d. i. x9WaTl^1
„führt keinen Vatersnamen". Die Schreibung öZ für l ist vielfach
belegt (s. G. Meyer Griechische Grammatik 2 S. 225) und n für ei zu
nehmen ist unbedenklich in einer Inschrift Augusteischer Zeit9), die
beständig öqpiXovia schreibt.

VIII.

In der großen Opraraoasinschrift liest man Col. VIII E Z. 11 ff.
(Reisen in Lykien, Milyas und Kibyratis S. 89):

APKEXGEIIEniTOY " AAOTON AE

AYTOYOPON-MATI 11 A TT A N T A

XPONONEYNOIAI 0POIYN
I I AEIEINETTOIHZATO

von dem Herausgeber S. 107 ergänzt: ouk] dpKeaöeic; km tou[toic;
KaTjaXoYÜJV? be [? ev ejauioö qppovrijuaxt . . djc; änavia [töv] XP0V0V
euvoia«; [Kai uefa\o]cppoö'uv[r]c; eujibeiSiv eTroincrdio. Es wird vielmehr
zu schreiben sein: ouk] dpKeaGeic; em tou[toic; dv]a\oYÜuv öe [tüji] auroü
(ppovrijuan [ifjc; ei]q aTravia [töv] XP0V0V cuvoiac; kt\. . ävaXo'jeöJ ist
ein der Sprache späterer Inschriften geläufiges Wort, vgl. C. I. G.
2189 (aus Mytilene), 2275 c, 2775 d, 2786 (sämmtlich aus Aphrodisias
in Karien). Auch die vor A verzeichneten Reste werden eher zu einem
N als einem T passen.

9) Wie P. Haubold De rebus Iliensium diss. Lips. 1888 p. 22 1 dazu kommt,
die Inschrift als satis antiqua und älter als C. I. G. 3595 — Dittenberger Sylloge 156
zu bezeichnen, ist mir unerfindlich.
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