Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

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wenn ein Bedürfnis nach kleiner Münze oder ein besonderer Anlass
vorlag; daher sind denn auch die älteren Kaisermünzen dieses Gebiets,
bis Hadrian einschließlich, verhältnismäßig selten. Von Tomis speciell
sind aus dem ganzen ersten Jahrhundert kaum ein Dutzend Münzen
bekannt. Wenn wir nun fragen, welches besondere Ereignis die
Prägung unter Trajan veranlasst haben könnte, so werden wir natürlich
auf die dakischen Siege des Kaisers hingewiesen, durch die wie die
p-anze Landschaft so auch Tomis aus schwerer Gefahr errettet worden

ö

ist. Unsere Münzen sind eine bescheidene Huldigung der Stadt für
den Befreier; die ungewöhnliche Angabe des Kaisernamens im Dativ
ist beachtenswerth, weil die Prägung dadurch als eine Dedication hin-
gestellt wird. Aber der gewöhnliche Typus für die Siegesfeier ist auf
den Münzen dieses Gebiets die Darstellung einer Nike mit Kranz und
Palmzweig, wie man sie auch in Tomis selbst unter Domitian und
Nerva findet. Wenn man von diesem Typus nach den Dakersiegen
Trajans abgeht (der Kaiser führt auf den Münzen schon den Beinamen
Dacicus), so muss man für die Wahl eines neuen Typus in der
Zwischenzeit ein besonderes Vorbild erhalten haben. Dieses Vorbild
hat uns die glückliche Aufdeckung des in der Nachbarschaft von Tomis
unweit des Trajanswalles befindlichen Monuments von Adam-Klissi,
welches die königlich rumänische Regierung durch Gr. Tocilescu aus-
graben ließ, jetzt kennen gelehrt: der Typus der Münzen ist dem
Denkmal entlehnt; da er unter früheren Kaisern nicht vorkommt, so
bestätigen also die Münzen die inschriftlich gesicherte Errichtung des
Denkmals unter Trajan. Wie auf den römischen Münzen dieses Kaisers
so oft dasjenige Denkmal erscheint, welches in der Hauptstadt den
dakischen Sieg, verherrlichte, die Trajanssäule, so zeigen uns die Münzen
der pontischen Stadt das hochragende Monument, das in ihrem Gebiet
dasselbe Ereignis feierte. Zweifelhaft ist, ob der Münztypus das ganze
Denkmal, den gewaltigen Rundbau mit dem Tropaion, oder nur seine
weithin sichtbare Krönung, das Tropaion mit seiner besonderen Basis,
wiedergeben wollte. Die Proportionen des Münzbildes, welche die Basis
ungefähr ebenso breit erscheinen lassen wie das Tropaion, würden für die
letztere Annahme sprechen; doch ist das kein hinreichend sicheres
Argument, da wir auf einer so beschränkten Bildfläche von dem un-
geübten Stempelschneider jede Willkür gewärtigen können; ein Künstler
war er ebensowenig wie die Bildhauer, die die Reliefs des Denkmals
gearbeitet haben. — Bemerkenswerth ist, dass die Basis auf den Münzen
nicht glatt ist; wenigstens auf dem Mailänder Exemplar erscheint die
kleine Fläche mit absichtlicher Unebenheit, also bearbeitet; ob da aber
eine Inschrift oder Ornamente zn denken sind, ist nicht zu entscheiden;
vielleicht kommen irgendwo Exemplare von frischerer Erhaltung zum
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