Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

Seite: 21
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Römischer Pferdeschmuck in Turin

A. von Domaszewski hat in dieser Zeitschrift Bd XII S. 138
bis 145 eine Reihe römischer Bronzefiguren behandelt; welche auf Brust-
gürteln von Pferdestatuen befestigt waren, und wahrscheinlich gemacht,
dass sie zu dem Schmuck von Triumphalquadrigen gehörten. In dieser
interessanten Serie, von der beinahe jede größere Bronzesammlung
Exemplare besitzt, führt er nach den Atti della societa di archeologia
e belle arti per la provincia di Torino III (1880) tav. XIX Fig. 3 und 4
auch zwei im Turiner Museum befindliche Stücke aus Industria auf.
Dort sind aber noch elf andere unveröffentlichte Figuren vorhanden,
die sich durch die gleiche Größe, die gleiche Technik des Gusses und
der Befestigung mit Stiften an der rückwärtigen glatten Fläche, auch
durch die gleiche Arbeit und den Gegenstand der Darstellung als
zugehörig zu erkennen geben. Für eine zukünftig zusammenfassende
Veröffentlichung, wozu weitere Nachweise abzuwarten sein werden, gebe
ich von ihnen im Folgenden eine vorläufige Beschreibung, wie sie mir
bei einem kurzen Aufenthalt in Turin durch das liebenswürdige Ent-
gegenkommen des Herrn Commendatore Fabretti ermöglicht worden
ist. Nicht alle habe ich näher untersuchen können; nur die beiden
bereits veröffentlichten haben Aufnahme gefunden in dem Catalog
Dütschkes (S. 106 n. 288 und S. 111 n. 301a).

1. Kömischer unbärtiger Krieger, in Vordersicht nach links
schreitend, mit Tunica und Schuppenpanzer, Helm, der oben in einen
Ring endigt, elliptischem Schilde (Schildzeichen Doppelblitz) am gesenkten
Arme und Schwert an der rechten Hüfte; beide Füsse fehlen, von dem
rechten Arme ist nur der obere gesenkte Theil erhalten; im dunkeln
Eckschranke n. 10 G.

i. Jugendlicher Barbar auf einem gesattelten Pferde nach rechts
in Carriere, in Hosen und Armeigewand und gegürteter Tunica, vor-
gebeugt über den Hals des Thieres und die geschlossene Rechte an
das Maul desselben vorhaltend, während der linke Arm gekrümmt
über dem Rücken zum Vorschein kommt: nach dieser Haltung vielleicht
bogenschießend, die durchbohrte Rechte hielt jedesfalls ein Attribut;
rückwärts ein Stift, die Hinterhufe des Pferdes fehlen.

3. Bärtiger Reiter nach links, den Oberkörper nach vorn wendend,
den spitzovalen Schild nach rechts wendend, den rechten Arm, dessen
Hand abgebrochen ist, gebeugt erhebend; rückwärts ein Stift.

4. Reiter (ohne Pferd) nach rechts, mit Helm, Tunica und
flatterndem Mantel, die rechte Hand zum Stoße erhoben.
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