Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

Seite: 28
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unseres Fragmentes identificieren können. Es bleiben noch übrig
L. Cinna (nicht Mfagnus], da man ebensowohl M(arcus) ergänzen
kann) und M. Cornutus. Bei ersterem darf man wohl an den Prätor
des J. 44 denken, dessen weitere Schicksale uns allerdings unbekannt
sind. Er war der Schwiegersohn des Pompeius und der Schwager
Casars, und Augustus wird mit ihm trotz seiner offen bethätigten
Feindschaft gegen Cäsar oder vielleicht gerade wegen derselben, weil
bei seiner bedeutenden Stellung seine weitere Opposition hätte gefährlich
werden können, seinen Frieden zu schließen gesucht haben, wie er
auch den Sohn dieses Mannes, nachdem sich derselbe gegen sein
Leben verschworen hatte, im J. 5 n. Chr. zum Consulat gelangen ließ.

Mit etwas größerer Sicherheit lässt sich M. Cornutus unterbringen.
Ein M. Caecilius Cornutus tödtet sich als Prätor im J. 43 v. Chr.
Dann erzählt uns wieder Tacitus ann. 4, 28 von einem Caecilius Cor-
nutus, der sich als Prätorier im J. 24 n. Chr. entleibte. Alt kann dieser
Prätorier nicht geworden sein, da er höchst wahrscheinlich identisch
ist mit dem Caecilius Cornutus, der C. I. L. VI 1269 genannt
wird. Auf dieser Inschrift, die in die Zeit Tibers fällt, folgt Cornutus
auf einen tribunus plebis, so dass er sich erst im Anfange seiner Lauf-
bahn befunden haben wird. Er kann also nicht viel älter als 30 Jahre
gewesen sein, als ihn Tiberius 24 n. Chr. in den Tod trieb, und daher
muss es ganz unmöglich scheinen, ihn als Sohn des im J. 43 v. Chr.
als Prätor Verschiedenen zu betrachten. Unbedenklich können wir
hier eine Generation einschieben: unser Cornutus wäre dann der Sohn
des 43 v. Chr. und Vater des 24 n. Chr. gestorbenen Cornutus. Wie
es sich mit dem Cornutus der Arvalakten aus den J. 14 und 21 ver-
hält, ist schwer zu sagen. Wahrscheinlicher ist es, hiebei an den
letzten Cornutus zu denken, da der Cornutus aus dem J. 14, wie ich
oben gezeigt habe, zu den jüngeren Mitgliedern gehörte.

Im Jahre 21 v. Chr. war also die Reorganisation des Arvalen-
collegiums bereits ausgeführt. Damit kommen wir für dieselbe in
die Zeit, in welcher Augustus in eben so vorsichtiger wie durchgreifender
und umfassender Weise die neue Ordnung der Dinge schuf. Und dass
ihm selbst unter den zahlreichen und bedeutenden Reformen diese
Wiederbelebung eines fast vergessenen Cultus nicht in letzter Linie
stand; das bestätigen jetzt die glänzenden Namen der Männer, die wir
als „Ackerbrüder" an seiner Seite finden.

Wien

E. HULA
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