Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

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in den Notizie degli scavi für das Jahr 1886 S. 326. 327 einen Über-
blick über das bis dahin Gefundene gegeben.

Im Atrium dieses Hauses fand sich beim Ausräumen des Brunnens
von einer etwa 0*165 m hohen, 0*02 m dicken Inschrifttafel aus Marmor
ein links und rechts gebrochenes Stück, dessen größte Breite etwa
0'16 m beträgt. Nachstehend gebe ich von demselben eine Abbildung
nach einer Durchreibung im Maßstabe von l/6:

Über die Ergänzung kann im Wesentlichen kein Zweifel sein.
Sordini theilte sogleich nach der Auffindung Professor Henzen eine
Abschrift mit und erhielt von ihm, wie bald darauf von mir, die
Antwort, dass die Inschrift eine Widmung an Kaiser Gajus (Caligula)
sei, von einer Frau mit dem Cognomen Polla, und dass der Text
ungefähr so lautete:

C. Caesari Augusjto Gefrmanico

Germanici Caesari]'s f(ilio), Ti. Caes[aris Aug(usti) n(epoti),
divi Augusti pron(epoti), pont(ifici)] max(imo), trib(unicia) pfot(estate)

. . . , co(n)s(uli) . . .

........iaj I f(ilia) Polla

Das Denkmal steht, so viel ich sehe, vereinzelt da. Zwar sind
römischen Kaisern während ihrer Regierungszeit äußerst zahlreiche
Standbilder errichtet worden, und regelmäßig gaben die Inschriften
auf den Sockeln an, von wem die Errichtung herrührte. Aber auch
wenn dies Einzelpersonen waren (nach den erhaltenen Inschriften zu
urtheilen ist dies eine verhältnismäßig geringe Minderzahl der Fälle
gewesen), befanden sich die Bildnisse wohl gewöhnlich auf Plätzen
oder in öffentlichen Gebäuden, oder wenn sie auf einem Boden standen,
der Privateigenthum war, so werden dies meist Stellen gewesen sein,
die einem größeren Publikum zugänglich waren, wie Gärten und Villen.
In unserem Falle kann nach der Fundstelle, der Beschaffenheit und
den Maßen der Platte wohl kein Zweifel bestehen, dass das Kaiser-
bildnis im Atrium des Hauses selbst sich befand, wenn es auch, als
Professor Mau, Sordini und ich am vergangenen 1. September die Stätte
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