Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

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Dass Hispellum in näheren Beziehungen zu ihm gestanden habe, wissen
wir allerdings nicht. Aber auch bei Vercellae hat nur der zufällige
Fund einer Basis, die seine von den Vercellensern errichtete Statue
trug (C. V 5667), gelehrt, dass er um diese Stadt Verdienste hatte, und
für Hispellum beweist des Plinius bekannte anmuthige Schilderung des
oberen Laufs des Clitumnus (epist. 8, 8), dass er die an demselben
von dieser Stadt angelegten Bäder und Herbergen kannte, wohl auch
von ihnen Gebrauch gemacht hatte (§ 6 balineum Hispellates, quibus
illum locum divus Augustus dono dedit, publice praebent, praebent
hospitium).

Hiernach scheint es mir zweifellos, dass die Inschrift zu Spello
auf Plinius zu beziehen ist. Schwierigkeit macht aber die Ergänzung
der unvollständigen Angabe seines Amtes in Bithynien. Dasselbe ist,
wie oben gesagt, auch angeführt in der Inschrift, die einst auf den
nach seinem Tode auf Grund seines Testamentes in Como errichteten
Thermen stand (C. V 5262), aber auch in dieser ist die Angabe un-
vollständig, da von der in Betracht kommenden oberen Hälfte schon
zur Zeit des Cyriacus die etwa ein Drittel einnehmende Platte rechts
fehlte. Ich setze diese Hälfte in der Form her, wie sie Mommsen zuletzt
hergestellt hat (C. V 5262).

c• p liniv s • l • i
avgvr-legat-prc
consvlari-potest;

imp- caesar-nerval
cvrator-alvei-ti
praef • aerari • sat\
qvaestor' imp
trib-milit-leg

ovf-caecilivs
pr-provinciae-pon
t • in-eam-provinciam-e
raia n o • avg • german
6eris-et-riparvm-e
rN i • praef • aerari • mil
s e v i r • e qv i t v m
i i i • g a l l i c a e

secundus cos
ti et bithyniae
x s. c. missus ab
ico dacico p. p
t cloacar. urb
it. pr. trib. pl
romanorum
x uir st Ii

TIB-IVDICAND-THERM

as cet.



Die Ergänzung in Z. 3 und 4 e x s. c. missus ab und german ico
dacico p. p. hatte Mommsen auch im Hermes 3 (1869) S. 112 erwähnt,
im Text aber dafür aufgenommen s. c. ab und german ico dacico
missus. — Die so sich ergebende Titulatur des Plinius für das Amt
in Bithynien ist allerdings sehr befremdlich und scheint geradezu einen
starken staatsrechtlichen Widerspruch zu enthalten: Plinius ist in

treues Facsimile steht. Dass die Plinia Chreste eine Freigelassene des Plinius sei,
hat schon der Canonicus Giulio Mancini vermuthet, der in einem jetzt in der vati-
kanischen Bibliothek (cod. Vat. 9053 f. 18) befindlichem Briefe an Marini aus dem
Juli 1806 diesem die Inschrift bald nach der Auffindung mittheilte. Völlig sicher
ist diese Vermuthung natürlich nicht, doch passt auch die Form der Buchstabei
sehr gut für diese Zeit.
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