Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

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Tö'xeö'Oai ßioxou (genetivus separationis) ist etwas ungewöhnlich
esagt und darnach angethan, die Phantasie zu beschäftigen. Das
ttiö' stand insofern nicht beziehungslos da, als der Gregensatz zur
fremden Heimat durch den fremdartigen Charakter der Grabschrift
genügend markiert war, möglicherweise fand es aber durch den Ort
der Aufstellung des Denkmals noch einen prägnanteren Sinn. Ob der
Vater oder der Sohn als sangeskundig bezeichnet wird (doiboTTÖXou oder
doiöoTTÖXoc;), kann ich nicht entscheiden, doch scheint die Stellung des
Epithetons zwischen Trcnrpöc; und dem Namen für den ersteren Fall
zu sprechen.

Da auch die Münzfunde griechischen Localcourants des Ostens
in Carnuntum selbstverständlich sehr selten sind, gestatte ich mir am
Schlüsse ein Stück zu erwähnen, das Herr Pfarrer Eisterer in Petronell
in seiner aus Localfunden bestehenden Sammlung besitzt; es ist ein
Kupferstück der Tupou ur|Tpo7T6\euuc; (Herakleskopf )( Keule) mit der
Jahrzahl r|T, also aas 182/183 n. Chr., das kaum anders als mit
der geringen Baarschaft eines aus Syrien recrutierten Soldaten hieher
gelangt ist.

J. WILH. KUBITSCHEK

Zur Frangois-Vase

Die Decoration der Francois-Vase gleicht in ihrem gegenwärtigen
schweren Ruine einem Palimpsest, in welchem selbst das kundigste
Studium nicht auf einmal Alles erschöpft und für Spätere immer eine
Nachlese übrig bleibt. Auch die gründliche Neuaufnahme, welche
Michalek und Eeichel für die Wiener Vorlegeblätter durchführten und
an die sie in ununterbrochener gemeinsamer Arbeit einen vollen Monat
gewandt haben, unterliegt diesem Schicksal, ohne damit Einbuße an
ihren Verdiensten zu erleiden. Wird doch Manches überhaupt erst
zu erledigen sein, wenn das Gefäß einmal von den Ergänzungen befreit
sein wird, welche die Überlieferung entstellt und getrübt haben.
Eine kürzliche Betrachtung des Originales gab mir Anlass einen Punkt
richtig zu stellen, bei dem ich zugleich einen eigenen Irrthum zu
verbessern habe.

An dem Brunnengebäude des Troilosstreifens finden sich nahe
der rechten oberen Ecke, über dem Arme der Rhodia, zwei unregel-
mäßig verlaufende, nach unten sich einander nähernde Conturlinien,
welche auch in der neuen Zeichnung der Vorlegeblätter übergangen sind.
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