Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

Seite: 46
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1892/0056
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
Ich hatte früher (Klein, Meistersignaturen 2, S. 36) für möglich gehalten,
dass sie Reste eines Wasserspeiers sein könnten, indessen stehen sie
dafür etwas zu weit ab, und ob das Dach als Satteldach gedacht
werden dürfe, ist zweifelhaft: Dörpfeld hat eine Eindeckung von Erd-
schutt angenommen, wofür die leichte Wölbung des oberen Gebäude-
conturs spricht. Unterhalb jener Linien läuft eine Bruchstelle durch
die Brust der Rhodia. Diese Stelle ist breiter als die neue Zeichnung
angibt und auf dem verschmierten Bruche ist nicht nur der untere
Contur des rechten Oberarmes der Rhodia, sondern der ganze Unter-
arm sammt Faust neu. Bei der Ergänzung ist dieser letztere zu kurz
gerathen und überhaupt ein sinnloser Gestus entstanden. Rhodia hielt
den rechten Arm erhoben wie ihren linken und jene fraglichen Linien
sind Conturtheile von ihrer ausgestreckten rechten Hand. Die Okeanide
Rhodia, welche nach der Basis, auf der sie (jenseits des Eckpfeilers,
keiner Ante, wie Herberdey bemerkte, Bd. XIII d. Zeitschr. S. 82) steht,
als Gottheit des Quellgebäudes gedacht ist (Weizsäcker, Rheinisches
Museum N. F. 32 S. 60), nimmt umblickend Theil an dem schreckhaften
Vorgang, mit einem Ausdruck von Aufregung, der zu dem Geberdenspiel
der anderen anwesenden Götter eine wirksame Steigerung bezeichnet.

Dass eine Füllung der eingeritzten Linien mit Deckweiß statt-
gefunden hat, ist nach dem Augenscheine nicht zu bezweifeln. An
den Augen der Pferde, den Mähnen, den Kreislinien der Räder in
dem Hauptstreifen, desgleichen überall in der Meleagerjagd und in dem
Thierfriese ist der Sachverhalt am deutlichsten. Alle Graffiti der
restaurierten Theile unterscheiden sich durch ihre röthliche Farbe völlig,
und nicht minder ist der Abstand der Farbe von derjenigen beschädigter
Stellen des Thongrundes sinnfällig. Herr Milani hatte die Güte an dem
Heydemann'schen Bruchstück eine Prüfung durch Aufritzen einiger
Stellen der Furchenfüllung vorzunehmen; sie saß überall zu fest und
war zu gleichmäßig eingedrückt, um zufällig sein zu können, und im
Aussehen entsprach sie genau dem Weiß der ganzen Decoration.

O. B.

Grabschrift aus Pettau

Im Vorjahre 1890 zog der Müller Kukovec in Pettau bei seiner
Mühle aus dem Draubette eine Anzahl von behauenen Steinen hervor,
unter welchen sich auch ein Relief mit einer allegorischen Darstellung
des Winters und das Bruchstück eines Grabdenkmals befanden; die
Inschrift des letzteren war, da die beschriebene Fläche auf den Grund
loading ...