Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

Seite: 59
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fläche zeigt ein undeutliches Pflanzenornament. Rechts und links davon
ruht je ein Löwe als Grabeshüter. Bei Pola im Meer gefunden. Sehr
ähnlich ist ein Grabmonument aus Pesäro in dem Supplementbande der
Monumenti inediti XXX 1. Vgl. auch den Sarkophag von Athienau in
Baumeisters Denkmälern III S. 1550 Abb. 1614.

2. Römischer Frauenkopf mit Schleier, über Lebensgröße,
aus Salona. Treffliche Arbeit, im ganzen gut erhalten, nur die Epi-
dermis ist etwas stark angegriffen.

In der Stadt zeigte uns Herr Tumburus in der Außenmauer
des Hauses No. 540, das jetzt Herrn C. Artusi in Pola gehört, ein
griechisches Grabrelief aus weißem Marmor, ca 0*25 h., 0*30 br.
Auf einer Kline liegt im langen, gegürteten Chiton eine Frau, die einer
zweiten, links zu ihren Füßen sitzenden Verschleierten (mit Chiton
und Himation) die Hand reicht. Rechts von dieser Scene windet sich
um einen Baum eine Schlange, deren Kopf über der Liegenden
hervorkommt. Daneben steht ein Mädchen, das die Hände faltet.
Gefällige Arbeit. Eine ähnliche Darstellung bei E. Löwy in den Arch.-
epigr. Mitth. 1883 VII 114 b (Rhodos).

Die in den Mitth. d. Centralcomm. 1883 S. CXXII und im
archeogr. triest. 1884 S. 207 veröffentlichte griechische Inschrift stammt
aus Korkyra und steht schon im C. I. G. 1880. Das zur Inschrift
gehörige Relief, das wir nicht aus der Nähe betrachten konnten, hat
Pervanoglu (archeogr. triest. ib. 430) herauszugeben versprochen.

Ein Ausflug nach dem „römischen Thurm" zur Auffindung von
C. I. L. V 310 war erfolglos.

Pola.

Die in Pola und Umgebung gefundenen Inschriftsteine, Archi-
tecturstücke u. s. w. werden in dem jetzt durch ein Eisengitter abge-
schlossenen Tempel der Roma und des Augustus und in dem daran
anstoßenden Hofe aufbewahrt. Leider aber fehlt es an fortlaufenden
Aufzeichnungen über die Funde.

i\nticaglien giebt es auch jetzt in diesem Museum noch nicht;
dieselben scheinen durchaus verschleppt zu werden. Eine reiche
Sammlung kleinerer Gegenstände besitzt Herr Uhrmacher Mendler sen.,
die aber zum großen Theil nicht istrianischen Ursprungs sein sollen.
Die Sammlung des verstorbenen Gendarmerie-Majors Schräm konnten
wir wegen Abwesenheit der Familie nicht besichtigen; ihr Hauptwert
soll übrigens nicht in Antiken, sondern in mittelalterlichen Waffen
bestehen; doch' gehören zu ihr auch einige tektonische Stücke aus
Samothrake, die von den dortigen österreichischen Ausgrabungen her-
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