Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

Seite: 81
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wir noch unten sehen werden, wahrscheinlich auf Neujahr 754/1 n. Chr.
anzusetzen ist.

P]ine eingehendere Erörterung verdient aucli der Götterverein, an
welchen die Dcdication der ara Augusta lautet, in seiner Gesammtheit.
Der Anlass der Widmung, der Beginn eines neuen Jahres (Z. 12. 13)
und der patriotische Charakter derselben bringt es mit sich, dass aus
der reichen Fülle glück- und segenverheißender Gottheiten und Per-
sonincationen, über welche die römische Religion verfügte, vor allem
jene gewählt wurden, die man als Verleiher eines glücklichen Jahres-
anfanges und als Bürgen für den dauernden Bestand des Reiches be-
trachtete. Evident ist dies namentlich bei Iuppiter, Inno Regina und
Minerva (Z. 2. 3), die bei der votorum nuneupatio auf dem Capitol
am 3. Januar angerufen wurden, dem Reiche ewige Dauer zu ver-
leihen (custodierisque aeternitatem imperi in den Acten der Arvalen).
Iuppiters Benennung als aeternus deus -— die bisher angenommene
Verbindung Mercurio aeterno deo ist selbstverständlich ausgeschlossen
und auch sonst ohne Analogien — ist beweisend dafür, dass auch der
vorliegenden Weihung eine ähnliche Absicht und ein verwandter An-
lass zu Grunde liegt. Auch im feriale Cumanum C. I. L. X 8375 Z. 9
wird für den 7. Januar eine supp(l)icatio lovi sempifternoj angeordnet,
weil efo die Caesar] primum fasces sumpsit, offenbar gleichfalls für die
Festigung seiner Herrschaft.4) Auf die capitolinische Trias folgt pas-
send das Götterpaar Sol und Luna (Z. 4); auch sie sorgen für den
Bestand der römischen Herrschaft; vgl. C. I. L. II 259 Soli aeterno,
Lunae pro aeternitate impevi et salute (des K. Severus) (die Inschrif-
ten Grut. 42, 2 = C. I. L. VI 5 n. 493*. 494* und Grut. 32, 9 = ebenda
n. 106* sind Fälschungen), sowie das Bildnis der Aeternitas auf Kai-
sermünzen seit Vespasian, eine Frauengestalt, die in den Händen die
Brustbilder von Sol und Luna trägt.5) Auch für Apollo und Diana
(Z. 4. 5), die beiden großen Schutzgötter der Herrschaft des Augustus,
liegt derselbe Grund vor; vgl. die Ara bei Visconti a. a. 0. S. 222
(dazu Tav. XXI, 5), worauf neben Iuppiter aeternus sanetus noch Apollo

4) Die Belege für aeternus als Beinamen Iuppiters bei Ruggiero dizionario
epigrafico S. 320 (vgl. auch ebenda u. d.W. aeternitas); dass er keinesfalls altherge-
bracht, sondern wohl erst in der Zeit des Augustus aufgekommen ist. kann schon
die Variante sempißernus] zeigen. Übrigens wird durch unsere Inschrift, die von
Franz Ormont Revue archeol. N. S. XI (1888, 1) S. 184 ff. vertretene Annahme
erheblich modificiert, dass die den Beinamen aeternus tragenden Gottheiten durchwegs
dem seit der Mitte des 2. Jahrhunderts um sich greifenden syrischen Sonnenculte
angehören. Dasselbe Beiwort kommt nach den Belegen bei Ruggiero a. a. 0. auch
andern speeihsch römischen Gottheiten, wie der Pax und der Victoria, daneben auch
den Nymphen zu.

5) Die Belege bei Visconti bull. deUa comm. arcfi. mun. 1875 S. 222.

Arehäologisch-epigraphische Mittheil. XV ß
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