Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

Seite: 82
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und Diana abgebildet erscheinen. In der Aufführung dieser Gottheiten,
wie auch der Fata (Z. 7) berührt sich die vorliegende Dedieation na-
turgemäß mit dem Carmen saeculare des Horaz (Iuppiter v. 73; Apollo-
Diana, Sol-Luna überall; die mit den Fata identischen Parzen v. 25).
In diesen Kreis fügen sich passend noch Fortuna (Z. 5), Ops und Isis
(Z. 6) ein. An die Spitze dieses Vereines segnender Mächte ist, wie
wir oben gesehen haben, nachträglich Augustus selbst, der Spender des
Friedens und des Wohlstandes, der Schirmer des Reiches, unter dem
Namen des Mercurius (Z. 1) gestellt worden.

Außer diesem sorgfältiger eingehauenen Nachtrag hat die Inschrift
noch zum zweitenmal einen Zusatz erfahren durch Beifügung der Worte
Sahcs Semonia und Populi Victoria zu beiden Seiten des posuit am
Schlüsse (Z. 17). Dieser Zusatz, der nicht wie Z. 1 mit dem Meissel
gemacht, sondern mit irgend einem primitiven Instrumente eingekratzt
ist, trägt beinahe die Züge der Cursivschrift; bringt man dies bei der
Zeitbestimmung in Anschlag, so erscheint es durchaus glaublich, dass
er ebenso wie Z. 1 kurze Zeit nach der Errichtung der Ära angebracht
worden ist, indem die Formen der einzelnen Buchstaben eine bedeu-
tende Ähnlichkeit mit dem Schriftcharakter der Dedieation aufweisen.
Die /Salus Semonia, für welehe die Notizie eine ganz unhaltbare Er-
klärung geben, wird auch bei Macrobius saturnalia 1, 16, 8 (p. 81
Eyssenhardt) genannt, wo es heißt: apud veter es quoque qui nominasset
Salutem Semoniam, Seiam, Segetiam, Tutilinam, f'erias observabat; es
ist dabei immerhin zu erwägen, ob darunter nicht die Salus des Quirinais
zu verstehen ist, die dann diesen Beinamen wegen der Nachbarschaft
des Heiligthums des sabinischen Semo Sancus führen würde. Jeden-
falls ist die Hinzufügung der Salus Semonia, und der Populi Victoria
(das ist wohl vulgär gleich Victoria populi Romani) dem Bestreben
entsprungen, zwei in der Dedieation nicht aufgenommene Göttinnen
nachträglich noch zu Ehren zu bringen; Salus spielt auch bei der
Arvalenfeier am 3. Januar eine Rolle.

Der gesammte Text würde also lauten: 2[AJeterno deo Iofvi.
IJunoni regin(ae), Minfervae, j Sojli, Lunae, Apolßini, jl 5 Diajnae,
Fortuna[e, Matri I Magjnae, Opi, Isi, Pi[etatif] Fatis . . . .; [quod bojnum
[faustum || felijxque [sitj || 10 imp(eratori) Caesari Augusfto, imperio]
eius, senati populifque Romani] et gentibus, nono [anno] introeunte
felic[iter] C. Caesare L. Pau[llo co(n)s(ulibus)J | 15 L. Lucretius L. I.
Zethus || iussu Iovis aram Augustam || posuit. Zusätze sind Z. 1 Mer-
curio und Z. 17 Salus Semonia - Populi Victoria.

Die Errichtung einer ara Augusta und ihre Datierung vom Jahre
754/1 n. Chr., welcher Z. 12. 13 ein nono [anno] introeunte felic[iter]
entspricht, hat es bereits den ersten Herausgebern unzweifelhaft gemacht,
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